AFW aktuell 13_4.fm - Astronomiefreunde Waghäusel

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AFW-aktuell
Das Magazin der Astronomiefreunde Waghäusel
Heft 53, Ausgabe 1/2014
„Kometen sind wie Katzen ...
Wolfgang Stegmüller
Ausgabedatum 21.12.13
... sie haben einen Schwanz und machen was sie wollen.“ Diesen Ausspruch des amerikanischen Hobby-Astronomen David. H. Levy habe ich in den Tagen nach dem gescheiterten Perihel-Durchgang des Kometen C/2012 S1 (ISON) oft gelesen. Wieder einmal zeigte sich, dass
die Ankündigung eines großen Kometen immer ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich birgt.
Große Erwartungen werden geweckt, die sehr schnell in große Enttäuschung umschlagen
können, wie auch im Falle dieses „Jahrhundertkometen“.
Montage aus Aufnahmen des LASCO C3-Instruments an Bord des Satelliten SOHO
Die Aufnahme zeigt die verschiedenen Stufen der Auflösung ISONs nach seiner Sonnenpassage.
Doch nun der Reihe nach.
Fortsetzung auf Seite Seite 6
Internet: http://www.afw2000.de
email: [email protected]
AFW-aktuell
Liebe Sternfreunde,
„Viel wurde bereits in den einschlägigen Foren und Medien
berichtet. 2013 könnte uns einen wirklich großen Kometenauftritt bescheren. Voraussagen von Kometenhelligkeiten
sind immer schwierig. So manch eine Enttäuschung hat es
schon gegeben, wie beim Kometen Kohoutek aus dem
Jahr 1973/74.“ Diese Zeilen habe ich direkt aus der Ausgabe 1/2013 unseres Vereinsheftes AFW-aktuell herauskopiert.
Ja, ich hatte wirklich große Erwartungen an das Jahr 2013.
Der Komet PANSTARRS im Frühjahr war sozusagen als
Komet zum „Aufwärmen“ angekündigt. Der große Kracher
aber sollte der Weihnachtskomet ISON sein. Vollmundig
als Jahrhundertkomet angekündigt sollte er gar am Taghimmel zu sehen sein. Aber es kam
ganz anders. Lesen Sie dazu mehr in der Titelstory.
Das Jahr 2014 hingegen scheint zunächst einmal arm an besonderen Ereignissen zu sein.
Aber lassen Sie uns einfach abwarten. Vielleicht beschert das Jahr uns doch die eine oder
andere unverhoffte Sensation am Himmel.
Ich lade Sie ein, bei allen unseren Veranstaltungen unser Gast zu sein. Lassen Sie sich auf
unsere Mailingliste setzen. Dann verpassen Sie garantiert kein Highlight.
Zusammen mit diesem Heft erhalten Sie Ihre Bescheinigung für den Mitgliedsbeitrag 2013
(steuerlich absetzbar) und Ihre Einladung zur Mitgliederversammlung am 10. März.
Die Vereinsverwaltung wünscht Ihnen ein glückliches und gesundes neues Jahr 2014.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr
(Wolfgang Stegmüller)
Kontaktadressen: 1. Vorsitzender: Rudolf Woll, Kettelerstr. 19, 68753 Waghäusel, Tel. und Fax: 07254/3666
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2. Vorsitzender: Wolfgang Stegmüller, Vogesenstr. 11, 68753 Waghäusel, Tel.: 07254/60595, e-mail: [email protected]
Ausgabedatum 21.12.13
Dies sind die Themen des vorliegenden Heftes:
„Kometen sind wie Katzen ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 1
Das Himmelsgeschehen im 1. Quartal 2014 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 3
Meine Astro-Reise nach Teneriffa im Oktober 2013 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 8
Wir trauern um unseren Freund Heinz Meidel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 13
Beobachtung des Kometen C/2013 R1 (Lovejoy). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 14
Einzugsermächtigung wir durch SEPA-Lastschrift abgelöst . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 15
Termine und Veranstaltungen - unser Angebot auf einen Blick . . . . . . . . . . . . . . Seite 16
Mitgliederfortschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 16
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Das Himmelsgeschehen im 1. Quartal 2014
Mondphasen
erstes Viertel
09.12.2013
08.01.2014
06.02.2014
08.03.2014
Vollmond
17.12.2013
16.01.2014
15.02.2014
16.03.2014
letztes Viertel
25.12.2013
24.01.2014
22.02.2014
24.03.2014
Neumond
01.01.2014
3001.2014
01.03.2014
30.03.2014
Tabelle 1: Mondphasen im 1. Quartal 2014
Planetensichtbarkeiten im 1. Quartal 2014
Quelle: Hans-Ulrich Keller, Kosmos Himmelsjahr 2014
Glossar
Bogensekunde:
Der Durchmesser eines Planetenscheibchens, des Mondes oder der Sonne erscheint uns unter einem bestimmten Winkel. Die Größe eines Planetenscheibchens ist jedoch so gering, dass eine Angabe in Winkelgrad keinen Sinn macht.
Ihren Durchmesser gibt man in Bogenskunden (’’) an.
1 Bogensekunde = 1/60 Bogenminute = 1/3600 Grad.
Magnitude
Die scheinbare Helligkeit eines Himmelskörpers wird in Magnituden angegeben.
Je kleiner der Wert, desto heller das Objekt. Die Schreibweise der Magnitude ist
ein Zahlenwert mit einem hochgestellten m an der Stelle des Kommas (z. B.
3m2). Die hellsten Sterne am Himmel haben eine Magnitude um ca. 1m; die
schwächsten, gerade noch sichtbaren Sterne, die aus der Ortschaft heraus zu
sehen sind, liegen bei einer Magnitude von rund 4m5. Noch hellere Sterne oder
Planeten haben negative Magnituden (z. B. -3m7). Von einer Magnitude zur
nächsten besteht ein Helligkeitsverhältnis von etwa 1: 2,5. Ein 2m Stern ist somit
2,5 mal so hell wie ein 3m Stern.
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Oppositionssschleife Alle Planeten des Sonnensystems bewegen sich von Norden betrachtet beinahe
auf Kreisbahnen gegen den Uhrzeigersinn um die Sonne. Die Planeten, welche
außerhalb der Erdbahn die Sonne umrunden, tun dies gemäß des 2. Keplerschen Gesetzes langsamer als die Erde. Dadurch erfolgt immer zur Zeit der Opposition ein Überholvorgang der Erde. Durch diesen Überholvorgang tritt für
einen irdischen Beobachter der perspektivische Effekt auf, dass sich der überholte äußere Planet vor dem Sternenhintergrund betrachtet rückwärts zu bewegen scheint, während er sich „normalerweise“ ostwärts bewegt. Dieser Effekt ist
umso ausgeprägter, je geringer die Entfernung zwischen Erde und überholtem
Planeten ist. So ist die Oppositionsschleife des Mars die größte, wohingegen die
des Saturn recht klein ausfällt.
Merkur bietet Ende Januar eine recht gute Abendsichtbarkeit. Unter guten Sichtbedingungen sollte der -0m9 helle Planet ab dem 21. Januar in der Abenddämmerung sichtbar werden. Weil Merkur sich fast am sonnennächsten Punkt seiner Bahn befindet, ist der
Winkelabstand zur Sonne recht gering. Der Merkuruntergang ist am 21. um 18:09 und verspätet sich bis zum Monatsende auf 18:55, wobei gleichzeitig seine Helligkeit etwas zurückKontaktadressen: 1. Vorsitzender: Rudolf Woll, Kettelerstr. 19, 68753 Waghäusel, Tel. und Fax: 07254/3666
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geht. Letztmals kann Merkur am 6. Februar in der Abenddämmerung aufgefunden werden.
Sein Untergang ist dann um 18:54. Am 1. Februar ist Dichotomie. Das Merkurscheibchen
ist genau zur Hälfte beleuchtet. Danach wird das Scheibchen größer und sichelförmig. Die
Helligkeit geht dabei um mehr als eine ganze Größenklasse auf +0m6 zurück.
Venus kann in der ersten Januarwoche noch als Abendstern beobachtet werden. Sie zeigt
sich im Teleskop als extrem schmale Sichel mit einer Größe von 60’’. Schon in der zweiten
Januarwoche wird man vergeblich nach dem „Abendstern“ Ausschau halten, und am 11. Januar erreicht Venus ihre untere Konjunktion mit der Sonne. Sie zieht dabei rund 5° über der
Sonne vorüber. Bereits am 15. Januar erscheint Venus wieder, nun als Morgenstern. Zunächst steigt Venus rund eine Stunde vor der Sonne über den östlichen Horizont. Ihre Aufgänge verfrüht Venus dann aber rasch, während ihre Helligkeit noch einmal deutlich
zunimmt.
Im Januar kommt es zweimal zu einer Begegnung von Venus und Mond. Die
dünne Sichel des zunehmenden Mondes passiert Venus am 2. Januar am
Abendhimmel, während die hauchdünne Sichel des abnehmenden Mondes sich
mit Venus am 29. Januar am Morgenhimmel trifft.
Im größten Glanz strahlt Venus schließlich Mitte Februar. Im Teleskop zeigt sie sich zu etwa
25% beleuchtet. Der Morgenstern wird nun immer kleiner und gleichzeitig rundlicher. Am 26.
Februar kommt es früh morgens erneut zu einer engen Begegnung mit dem Mond. Am 22.
März erreicht Venus mit fast 47° ihren größten westlichen Winkelabstand von der Sonne,
und am Tag darauf ist „Halbvenus“. Das Planetenscheibchen ist genau zur Hälfte beleuchtet
- man spricht von Dichotomie.
Mars ist zu Beginn des Quartals noch immer ein Objekt der zweiten Nachthälfte. Der aufmerksame Beobachter erkennt jedoch die deutliche Zunahme der Helligkeit. Dies weist untrüglich auf die nahende Opposition hin, welche Mars aber erst im April erreichen wird. Das
Planetenscheibchen weist am ersten Tag des Jahres einen Durchmesser von nur 6,9’’ auf.
Im Verlauf des Februars bremst Mars seine rechtläufige Bewegung vor dem Sternenhintergund deutlich ab - ein weiteres Zeichen dass die Opposition nicht mehr fern ist. Nun wächst
der scheinbare Durchmesser bereits auf Werte, die im Teleskop bei hohen Vergrößerungen
schon erste Oberflächenstrukturen erkennbar werden lassen. Am 1. März beendet Mars seine Vorwärtsbewegung. Er wird stationär und setzt zu seiner Oppositionsschleife an. Eine
tolle Übung ist es, in diesem und dem nächsten Quartal an verschiedenen Tagen die Positionen des roten Planeten in eine Sternkarte einzuzeichnen. Verbindet man diese Punkte,
so erhält man sehr schön die bildliche Darstellung der Oppositionsschleife als Abbild des
Überholvorgangs zwischen Mars und Erde. Eine dafür geeignete Sternkarte mit dem Sternbild Jungfrau finden Sie zum Download und zum Ausdrucken auf unserer Webseite
www.afw2000.de in der Rubrik AFW-aktuell.
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Ein weiterer netter Anblick ergibt sich am 27. März, wenn Venus sich wieder zum abnehmenden Mond gesellt.
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Bis zum Quartalsende erreicht Mars einen scheinbaren Durchmesser von 15’’. Es ist nun
Sommer auf der Nordhalbkugel des roten Planeten. Mit einer Helligkeit von -1m4 wird er am
Abendhimmel nur noch von Jupiter übertroffen.
Jupiter steht bereits am 5. Januar in Opposition. Es ist nun die beste Zeit, den Riesenplaneten die ganze Nacht über zu beobachten. Mit 2m7 ist Jupiter ein sehr auffälliges Gestirn am
nächtlichen Himmel. Bereits im kleinen Teleskop ist erkennbar, dass Jupiter aufgrund seiner
schnellen Rotation deutlich abgeplattet ist. Auffälligstes Merkmal sind die beiden dunklen
Wolkenbänder zu beiden Seiten des Äquators
und die ständig wechselnden Stellungen seiner
4 größten Monde Io, Europa, Ganymed und
Kallisto.
Jupiter mit seinen Wolkenstrukturen und dem Großen Roten Fleck (links der Schatten eines Mondes)
Die Beobachtung des Großen Roten Flecks, welcher eher blassorange erscheint, ist dagegen schon ein wenig schwieriger. Ein etwas größeres Teleskop ab etwa 4 Zoll Öffnung leistet dabei sehr gute Dienste. Wenn Sie den GRF nicht erkennen können, dann legt dies aber
möglicherweise auch daran, dass er sich gerade seitlich oder auf der Rückseite der Planetenkugel befindet.
Für den abendlichen Beobachter verbessern sich im Lauf des Quartals die Sichtbarkeitsbedingungen, da in der Zeit nach der Opposition ein Planet bereits bei Einbruch der Nacht
recht hoch am Himmel steht. Am 6. März beendet Jupiter seine rückläufige Bewegung in
den Zwillingen. Auch bei Jupiter ist eine Oppositionsschleife zu beobachten, genau wie bei
Mars. Durch die deutlich größere Entfernung zum Riesenplaneten fällt diese jedoch deutlich
kleiner aus, als bei unserem äußeren Nachbarn. Zu Ende des Quartals geht Jupiter bereits
um 3:44 Uhr (MESZ) unter.
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Saturn ist in diesem Quartal eher etwas für Frühaufsteher. Er ist am Morgenhimmel zu sehen. Erst Anfang März verlagern sich seine Aufgangszeiten in die Zeit vor Mitternacht. Am
31. März steigt der Ringplanet um 23:23 Uhr (MESZ) über den Horizont.
Uranus kann im Januar und Februar noch am Abendhimmel im Sternbild Fische aufgesucht
werden. Er nähert sich allerdings unaufhaltsam seiner Konjunktion mit der Sonne, welche
er am 2. April erreicht.
Neptun kommt im Februar in Konjunktion mit der Sonne und kann nur noch in den ersten
Tagen des Jahres mit Mühe tief im Westen aufgespürt werden. Den ganzen Rest des Quartals steht er mit der Sonne am Taghimmel.
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Konstellationen und Ereignisse
Datum
04. Januar
5.Januar
31. Januar
15. Februar
20. März
22. März
Ereignis
Erde im Perihel (Sonnennähe), Abstand zur Sonne 147,105 Mio. km
Jupiter in Opposition zur Sonne
Merkur in größter östlicher Elongation (18 °)
Venus im größten Glanz (-4m9)
Sonne im Frühlingspunkt, Tagundnachtgleiche
Venus in größter westlicher Elongation (47 °)
Tabelle 2: Konstellationen und Ereignisse im 1. Quartal 2014
Quelle: Kosmos Himmelsjahr 2014
Fortsetzung von der Titelseite
Zum Zeitpunkt seiner Entdeckung durch die Astronomen Witali Nevski und Artyom NoviChonok am International Scientific Optical Network (ISON) stand der Komet als lichtschwaches Objekt der 16. Größe (16m) im Sternbild Krebs, weit jenseits der Jupiterbahn.
Nachdem erste Bahndaten bestimmt waren, zeigte sich, dass der Komet sich auf einer parabelnahen Bahn (Exzentrizität = ca. 1) bewegt. Das heißt, dass er aus den fernsten Bezirken unseres Sonnensystems, aus der Oortschen Wolke, kommt und dies somit sein erster
Besuch im inneren Sonnensystem ist. Dies deutete auf einen völlig „unverbrauchten“ mit
großen Mengen an flüchtigen Bestandteilen, wie gefrorenen Gasen und Wassereis, ausgestatteten Kometenkern hin. Ein weiteres Ergebnis dieser Bahnbestimmungen war, dass
ISON sich der Sonne extrem nähern würde. Man spricht im Zusammenhang mit solchen Komentenbahnen von sog. Sonnenstreifern (Sungrazer). An seinem sonnennächsten Punkt
am 28. November würden ihn nur wenig mehr als 1 Million Kilometer von der sichtbaren
Sonnenoberfläche trennen. Dieser Umstand rief bei zahlreichen Astronomen aber auch die
Befürchtung hervor, dass ISON diese enge Passage nicht überstehen könnte, wie dies
schon bei zahlreichen Kometen zuvor beobachtet wurde. In dieser heißen Phase würden erhebliche Gezeitenkräfte und eine immense Hitzebelastung auf den Kometen einwirken.
Zu Jahresbeginn 2013 konnte ISON von sehr gut ausgestatteten Amateuren als Objekt mit
15 m im Sternbild Zwillinge aufgespürt werden. Am 3. Oktober passierte ISON den Planeten
Mars in nur 11 Millionen km Abstand. Zu dieser Zeit begann auch die Ausbildung eines mehr
oder minder großen Schweifs. Ich selbst weilte Anfang Oktober auf Teneriffa und versuchte
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Aus dem Umstand heraus, dass ISON bereits in der Kälte jenseits der Jupiterbahn Aktivität
zeigte, mit großen Mengen flüchtiger Stoffe ausgestattet war und sich der Sonne so extrem
nähern würde, erkannte man schnell das Potenzial zu einem Jahrhundertkometen. Optimisten berechneten eine scheinbare Helligkeit von bis zu -16m am Tag seiner größten Annäherung an die Sonne. Dies würde den Kometen selbst am Taghimmel dicht neben der Sonne
mit freiem Auge sichtbar machen.
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erste Aufnahmen ISONs vom Balkon meines Hotelzimmers zu machen. Mit einer prognostizierten Helligkeit von rund 8m sollte dies machbar sein. Auswertungen meiner Bilder zeigten zwar den Kometen, aber ohne Schweif und in der Helligkeit weit hinter den Prognosen
zurückliegend. Es war eines der Markenzeichen ISONs, dass er sich im gesamten Verlauf
der Beobachtung nie an die Voraussagen gehalten hatte. Mal weckte er durch spontane Aktivitätsausbrüche euphorische Stimmung, mal durch Ruhephasen Ernüchterung in der Gemeinde der Kometenbeobachter. Anfang November gelang mir ein weiteres Foto des
Kometen am frühen Morgen von meinem Garten aus. Auf diesem Foto ist der Komet zwar
mit einem kurzen Schweif, aber insgesamt doch sehr schwach zu erkennen.
Täglich sollte der Komet nun heller und ab etwa Mitte November bereits deutlich mit bloßem
Auge erkennbar werden. Dabei würde sich der Winkelabstand zur Sonne nun rasch verringern, sodass etwa ab dem 20. November eine Sichtung sehr schwierig sein würde. Alle
Hoffnung konzentrierte sich nun auf die Zeit nach dem Periheldurchgang, wenn ISON mit
gewaltigem Schweif, zunächst am frühen Morgen, dann ab etwa dem 10. Dezember auch
am Abendhimmel seinen Zauber entfalten würde.
ISON am 8. Oktober 2013, Aufnahme entstanden im Mount-Lemmon-Observatorium
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Zahlreiche Teleskop-Händler waren im Vorfeld auf den ISON-Hype aufgesprungen und befeuerten diesen zusätzlich in der Erwartung eines guten Vorweihnachtsgeschäftes.
Richtig interessant wurde es für mich ab dem 27. November, als ISON in das Sichtfeld des
LASCO C3-Instruments auf dem Sonnenbeobachtungssatelliten SOHO (Solar and Helioscopic Observatory) eintrat. SOHO steht etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt
in Richtung Sonne im Lagrangepunkt L1. Der Satellit beobachtet die Sonne in verschiedenen Wellenlängenbereichen. Das LASCO-Instrument ist ein Weitfeld-Teleskop. Um eine
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Blendung durch das gleißende Licht der Sonne zu verhindern, ist diese im Inneren des Instruments mit einer kreisrunden Blende verdeckt. Etwa alle halbe Stunde wird im Internet
eine neue Aufnahme veröffentlicht. ISON zeigte sich nun auf den LASCO-Bildern mit einem
viele Millionen Kilometer langen Schweif, wie er sich mit zunehmender Geschwindigkeit der
hinter der zentralen Blende versteckten Sonne näherte. Am 28. November, nur wenige
Stunden vor der engsten Annäherung zeigte sich nun ein bereits an anderen Sonnenstreifern zuvor beobachteter Effekt. Der Schweif verblasste mit einem Mal. Ein sicheres Zeichen,
dass etwas nicht stimmte und erste böse Ahnungen weckte, dass ISON den Höllenritt um
die Sonne möglicherweise nicht überstehen würde. Dann verschwand ISON hinter der Instrumentenblende. Banges Warten folgte. Würde ISON auf der anderen Seite der Blende
wieder zum Vorschein kommen? Dann schließlich rund 2 Stunden später zeigte sich an der
erwarteten Stelle der Komet. Aber wie sah dieser aus? Das was da zum Vorschein kam, hatte nur entfernt das Aussehen eines Kometen. Es war eher eine diffuse, zerfledderte Wolke.
Die Vermutungen zahlreicher Wissenschaftler und Amateure in diversen Internet-Foren
schossen ins Kraut. Eine gesicherter Aussage war nicht zu machen und auch nicht zu bekommen. Die nächsten Stunden würden zeigen, was sich da in den Bildern des LASCO-Instruments des Sonnenobservatoriums SOHO von der Sonne weg bewegte. Zunächst nahm
die Helligkeit des Objekts wieder etwas zu, was neue Hoffnung nährte, dass doch ein Teil
des Kometen überlebt haben könnte und nun dabei war, einen neuen Schweif zu formen.
Dann aber verblasste das Objekt zusehends und wurde immer diffuser. Es handelte sich offenbar nur noch um eine Staubwolke, welche sich auf ihrem Weg entlang der ursprünglichen
Kometenbahn bewegte und immer weiter verteilte. Nach und nach bestätigten nun auch offizielle Stellen den „Tod“ des Kometen. Die Hoffnung auf einen strahlend hellen und eindrucksvollen Jahrhundertkometen waren nun endgültig begraben. Kometen sind eben wie
Katzen - Sie haben einen Schwanz und machen was sie wollen.
Meine Astro-Reise nach Teneriffa im Oktober 2013
Ferner war mir bekannt, dass die beiden Sonnenteleskope VTT und GREGOR am Observatorio del Teide dem Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik gehören. Diesem Institut hatten wir im September einen Besuch abgestattet. Prof. Dr. Hammer vom KIS hatte ich
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Wolfgang Stegmüller
Schon im Jahr 2012 hatte ich im Spätjahr das „Luxusproblem“. Ich hatte noch zu viel Resturlaub, welcher noch im selben Jahr aufzubrauchen war. Damals beschloss ich, diesen Urlaub als Astro-Urlaub auf Teneriffa zu verbringen. Die Eindrücke des nächtlichen
Sternenhimmels, oben in den Cañadas, waren Atem beraubend. So beschloss ich auch in
2013 eine Woche nach Teneriffa zu fliegen, um diese wundervolle Erfahrung unter dem
pechschwarzen Sternenhimmel zu wiederholen.
Vom letzten Jahr wusste ich um das MONS-Teleskop am Observatorio del Teide, welches
auch Amateur-Astronomen zur Verfügung steht, sofern es nicht für Lehrzwecke der Universität in Laguna benötigt wird. Also stellte ich einen Nutzungsantrag für 2 Nächte beim IAC
(Instituto Astrofisico de Canarias).
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gebeten, einen Kontakt zum Betreuer dieser Teleskope vor Ort herzustellen, um die Möglichkeit eines Besuches auszuloten. Den Kontakt stellte Herr Dr. Hammer sehr schnell her,
und rasch hatte ich mich mit Herrn Geißler zu einem Besuch mit Führung verabredet.
Meine Reise trat ich am 8. Oktober an, 3 Tage nach Neumond. Der Zufall wollte es, dass
zur selben Zeit auch unser Kassier, Thomas Jungkind, auf Teneriffa Urlaub machte. Ich informierte ihn über die Besuchsmöglichkeit an den Sonnenteleskopen und meinen nächtlichen Beobachtungsmöglichkeiten mit dem MONS-Teleskop. Spontan sagte er seine
Begleitung zu.
Der Besuch der Sonnenteleskope war für den Nachmittag des 9. Oktober ab 15 Uhr vereinbart. Thomas und ich trafen uns vor dem Tor des Observatorium-Geländes. Nach kurzer Anmeldung und Entgegennahme der Chipkarte, welche uns Einlass in das Gebäude des
MONS-Teleskops verschaffte, fuhren wir zum Parkplatz am MONS-Teleskop. Von dort sind
es nur wenige Schritte zu den beiden hoch aufragenden Gebäuden der Sonnenteleskope
VTT und GREGOR.
Blick zu den beiden Sonnenteleskopen GREGOR und VTT des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik
Dazwischen im Hintergrund das Newton Vakuumteleskop VNT
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Pünktlich um 15 Uhr empfing uns Herr Geißler, der bereits seit mehreren Jahren in Laguna
lebt und die beiden Sonnenteleskope technisch betreut. Wir stellten uns kurz vor, und schon
begann unsere Privat-Führung.
Der Tubus des Vakuum-Turm-Teleskops (VTT) besteht, wie der Name bereits ausdrückt,
aus einem senkrecht im Gebäude stehenden Vakuumtank mit einem 70 cm großen Einlassfenster am oberen Ende. Ohne das Vakuum entstünden wegen der Sonnenhitze Luftturbulenzen, welche die Beobachtungsgüte arg beeinträchtigen würden. Das Eintrittsfenster,
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ganz oben auf dem Gebäudedach, war unser erstes Ziel, Wir erfuhren, dass das Glas des
Eintrittsfensters so geformt ist, dass es erst durch die Durchbiegung unter der Last des Luftdrucks (immerhin rund 2 Tonnen) zur planen Scheibe wird. Zwei riesige, bewegliche Coelostatspiegel thronen über dem Einlassfenster und spiegeln das Licht der Sonne genau in das
Instrument. Es war ein einmaliges Erlebnis in dieser luftigen Höhe unter einem tiefblauen
Himmel zu stehen, mit dem gesamten Inselpanorama rund herum und der gewaltigen Spitze
des Teide im Hintergrund.
Nach einem Blick in den Tubus gingen wir wieder nach
unten, wo uns Herr Geißler
nun den komplizierten Strahlengang des Teleskops und
die einzelnen Instrumente
und Experimente erklärte.
Nun war GREGOR an der
Reihe. Dieses Teleskop hat
einen völlig anderen Aufbau,
denn mit seiner mehr als doppelt so großen Öffnung von
1,50 Metern ist ein Vakuumtubus technisch nicht mehr
realisierbar. GREGOR ist ein
azimutal montiertes, frei bewegliches Spiegelteleskop.
Damit sich keine Luftverwirbelungen bilden können, steht das Teleskop völlig frei auf dem
Dach des 20 Meter hohen Gebäudes. Erst das bereits stark gebündelte Licht im CoudéStrahlengang wird schließlich durch ein entsprechend kleines Fenster in eine Vakuumröhre
nach unten in das Labor geleitet. Vor Witterungseinflüssen wird das GREGOR-Teleskop
durch eine faltbare Kuppel in der Art einer Lkw-Plane geschützt. Der weitere Weg führte uns
nun ebenfalls nach unten, wo in zahlreichen Gestellen und auf optischen Bänken das Licht
der Sonne in die spektralen Anteile zerlegt und analysiert wird. Dort erfuhren wir auch, dass
noch immer technische Unzulänglichkeiten vorliegen, die im derzeit laufenden Justagebetrieb Stück für Stück ausgemerzt werden. Dennoch liefert das Teleskop bereits heute wertvolle Forschungsdaten. Neu für uns war ebenfalls die Information, dass das eigentlich als
Sonnenteleskop konzipierte Instrument in Kürze auch seinen Nachtbetrieb aufnehmen wird.
Unter dem Projektnamen [email protected] wird das Teleskop dafür eingesetzt, sonnenähnliche Sterne zu finden und diese auf planetare Begleiter zu untersuchen. So soll die Suche nach einer zweiten Erde vorangetrieben und unterstützt werden.
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Thomas fotografiert durch das Eintrittsfenster des VTT in den Vakuum-Tubus
(im Hintergrund der Teide)
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Thomas und ich vor dem GREGOR-Teleskop
Herr Geißler zeigte abschließend die nächsten Erweiterungsschritte und die dafür notwendigen Apparaturen und Detektoren auf. Nachdem wir uns ins Gästebuch des VTT eingetragen und Thomas als kleines Dankeschön eine Flasche Rotwein an Herrn Geißler überreicht
hatte, verabschiedeten wir uns. Uns blieb noch etwas Zeit bis zur Abenddämmerung und
unserer Nachtbeobachtung mit dem MONS-Teleskop. So nutzten wir die Zeit, zwischen den
anderen Teleskopkuppeln umherzuschlendern. Dabei kamen wir an einem vergleichsweise
kleinen Kuppelbau vorbei, an dem gerade 2 Männer zu Gange waren. Im Gespräch stellte
sich heraus, dass die beiden aus Bayern waren und gerade einen hochauflösenden Spektrografen der dänischen Universität von Aarhus eichten und in Betrieb nahmen. Dieser
Spektrograf dient dazu, Planeten nach der Radialgeschwindigkeitsmethode zu suchen. Er
ist so empfindlich, dass damit auch erdgroße Planeten zu finden sein sollten. Zur Eichung
beobachteten die beiden, zu unserer großen Verwunderung, am strahlend hellen Taghimmel echte Sterne bis hinab zu einer Größe von +3 Magnituden.
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Allmählich senkte sich die Sonne zum Horizont herab, und wir zogen uns ins MONS-Gebäude zurück, wo wir versuchten, den „Night Operator“ telefonisch zu erreichen. Dieser ist notwendig, um das Teleskop in Betrieb zu nehmen - der Night Operator war jedoch nicht
erreichbar. Schließlich führte ich die Inbetriebnahmeschritte anhand der mir zur Verfügung
stehenden Bedienungsanleitung selbst durch.
Schnell wurde es dunkel und kühl. Zunächst steuerten wir leicht auffindbare Objekte, wie
den Mond und den Planeten Venus an. Nach und nach folgten schwierigere Objekte, die wir
mit Hilfe der bekannten Himmelskoordinaten einstellten. Die Beobachtung durch das Teleskop mit 500 mm Öffnung und 7,5 m Brennweite war eine Wucht.
Kontaktadressen: 1. Vorsitzender: Rudolf Woll, Kettelerstr. 19, 68753 Waghäusel, Tel. und Fax: 07254/3666
2. Vorsitzender: Wolfgang Stegmüller, Vogesenstr. 11, 68753 Waghäusel, Tel.: 07254/60595, e-mail: [email protected]
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AFW-aktuell
Schließlich tauschten wir
den Okularadapter gegen
einen Kameraadapter aus
und begannen die Objekte durch das Instrument
zu fotografieren. Gegen 2
Uhr merkten wir beide,
wie uns die Müdigkeit
übermannte. Wir beschlossen daher, die Beobachtung zu beenden.
Nachdem die Kuppel geschlossen und das Teleskop
in
Parkposition
gebracht war, verließen
Beobachtung mit dem MONS-Teleskop bei Rotlicht
Gleich am darauffolgenden Tag hatte ich abermals das MONS-Teleskop. Also fuhr ich am
späten Nachmittag wieder auf den Berg. Ich erreichte die Sternwarte bei Sonnenuntergang.
Gleich an der Einfahrt versuchte ich dieses Mal den Night Operator zu erreichen - wieder
erfolglos. So wusste ich, dass auch in dieser Nacht niemand da sein würde, und ich stellte
mein Auto vor dem Sternwartengelände ab. Als Fußgänger standen mir nun zwar keine Barrieren im Weg, aber meine Ausrüstungsgegenstände musste ich nun fast einen Kilometer
weit tragen, bis ich das MONS-Teleskop erreichte. Nach der Inbetriebnahme und dem Öffnen der Kuppel konnte ich unmittelbar mit meinen neuerlichen Beobachtungen beginnen.
Mit der Kamera nahm ich zunächst ein hoch aufgelöstes Mondpanorama auf. Weitere Objekte folgten. Schließlich baute ich das Teleskop wieder für den Okularbetrieb um, und ich
nahm nun weniger bekannte Objekte, vor allem bei sehr südlichen Deklinationen ins Visier.
Als sehr schade empfand ich lediglich die fehlende Rundumsicht in der Teleskopkuppel.
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wir das MONS-Gebäude und fuhren zum Ausgang. Dort versuchten wir abermals, den Night
Operator telefonisch zu erreichen, der an der Ausfahrt einen Poller absenken musste - wieder ohne Erfolg. Wir beschlossen, zur Residencia, dem Übernachtungs- und Verwaltungsgebäude zu fahren und dort der Night Operator zu wecken. Nach endlosen Versuchen, uns
bemerkbar zu machen, dämmerte langsam die Erkenntnis, dass wir alleine waren und uns
niemand die Auffahrt frei machen würde. Ein ärgerlicher Umstand, zumal dem Sternwartenpersonal bekannt war, dass Beobachtungsgäste anwesend waren. Nur durch großes Glück
erlangten wir unsere Freiheit, als ein Astronom von einem der anderen Teleskope zum Ausgang fuhr, um den Heimweg anzutreten. Er ließ uns schließlich raus. Nach über einer Stunde serpentinenreicher Straße und 2300 Metern Höhenunterschied erreichte ich schließlich
um 4:30 Uhr mein Hotel in El Médano. Thomas war bis zu seinem Hotel in im Nordwesten
der Insel sogar noch länger unterwegs.
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Einzig durch einen schmalen Schlitz konnte ich einen winzigkleinen Teil des Himmels sehen. Das Herumwuchten des großen Instruments mit Muskelkraft ist schon etwas beschwerlich, gerade wenn man alleine ist. Schließlich stellte ich spät in der Nacht meine
Beobachtungen todmüde aber überglücklich ein. Die Rückfahrt ins Hotel schaffte ich in dieser Nacht bei völlig verkehrsfreier Straße in weniger als einer Stunde.
Eigens für diesen Urlaub hatte ich mir zuvor eine kleine, motorisierte Reisemontierung gekauft. Diese kam in weiteren Nächten in der Stille der Cañadas mit aufgesattelter Kamera
zur Aufnahme eines Panoramas der Milchstraße und anderer Motive zum Einsatz. Dabei
leistete der Cokin-Filter P830, den ich ebenfalls kurz zuvor gekauft hatte, wertvolle Dienste.
Mit Hilfe dieses Weichzeichner-Filters ist es möglich, kombiniert mit ungefilterten Aufnahmen, Bilder zu erstellen, welche dem visuellen Eindruck sehr nahe kommen. Helle Sterne
erscheinen damit ein wenig aufgebläht und zeigen sehr schön ihre Farben. Einige der Bilder, die ich und Thomas Jungkind auf Teneriffa gewonnen haben, finden Sie auf unserer Internetseite afw2000.de.
Wir trauern um unseren Freund Heinz Meidel
Der Vorstand
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erreichte uns die erschütternde Nachricht
vom Tod unseres Mitglieds und Freundes Heinz Meidel. Er verstarb plötzlich
und völlig unerwartet am Montag, 18.
November.
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Heinz trat als 19. Mitglied bereits wenige
Tage nach Gründung unserem noch jungen Verein bei. Seither, über all die Jahre, lernten wir Heinz als einen äußerst
liebenswerten und vor allem sehr bescheidenen Kameraden kennen.
Heinz hat das Vereinsleben der Astronomiefreunde Waghäusel in vielerlei Hinsicht bereichert. Stets schätzten wir ihn
als besonnenen Berater - sicher einer
unter vielen Gründen, warum wir ihn im
Jahr 2007 als Beisitzer in den Vereinsvorstand riefen. Sein besonderes Stekkenpferd jedoch war das spielerische
Vermitteln astronomischer Inhalte an
Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Zahlreiche astronomische GeschicklichKontaktadressen: 1. Vorsitzender: Rudolf Woll, Kettelerstr. 19, 68753 Waghäusel, Tel. und Fax: 07254/3666
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keitsspiele erdachte er und baute sie in liebevoller Kleinarbeit auf. Zahllose Eltern und Kinder erlebten beim „Sterne angeln“ oder „rollende Kugeln an den Mondlandungsstellen
einlochen“ einen spielerischen Zugang zur Astronomie. Dadurch räumte Heinz eventuell
vorhandene Berührungsängste unserer Besucher und Gäste einfach beiseite. Seine Spiele
stehen auch künftig in unseren Vereinsräumen bereit und werden sicherlich noch lange Zeit
hervorragende Dienste leisten und Freude schenken. Jedesmal, wenn sie bespielt werden
wird der Geist ihres Schöpfers zugegen sein.
Wann immer im Verein Hilfe von Nöten war - Heinz war zur Stelle und hielt sich in seiner
bescheidenen Art doch immer fast unsichtbar im Hintergrund.
So unfassbar der plötzliche Verlust des treuen Freundes für uns Sternfreunde ist, so glücklich sind wir darüber, diesen wundervollen Menschen kennengelernt und ihn ein kleines
Stück seines Lebensweges begleitet zu haben.
Sein Tod hinterlässt eine schmerzende Lücke in unseren Reihen. Wir werden Heinz in
unseren Herzen ein ehrendes Andenken bewahren.
Beobachtung des Kometen C/2013 R1 (Lovejoy)
Die Enttäuschung über den unrühmlichen Abgang des „Jahrhundertkometen“ ISON beherrschte Ende November die Gemeinde der Kometenbeobachter. Doch Kometen gibt es
zuhauf, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich der Fokus alsbald auf den derzeit ebenfalls gut sichtbaren Kometen C/2013 R1 (Lovejoy) richtete. Wenngleich dieser Komet in seinem Aussehen ISON zum verwechseln ähnlich sieht, so unterscheiden die beiden Kometen
sich doch grundlegend. C/2013 R1 (Lovejoy) ist ein langperiodischer Komet, welcher sich
dem inneren Sonnensystem etwa alle 10700 Jahre nähert. Entdeckt wurde er am 8. September 2013 von Terry Lovejoy, dem australischen Amateurastronom, der bereis im Jahr
2011 den Kometen C/2011 W1 (Lovejoy) entdeckte. Dieser Komet sorgte im Winter 2011/
2012 auf der südlichen Erdhalbkugel für Aufsehen, da er einen äußerst hellen, langen
Schweif erzeugte.
Am Montag, den 2. Dezember klarte es am Mittag überraschend auf, so dass ich die Gelegenheit nutzte, den im Sternbild Bärenhüter stehenden Kometen gegen 18 Uhr am Abendhimmel zu beobachten. Da der Komet bei Einbruch der Dunkelheit aber nur rund 20° über
dem Horizont stand und ich überdies in Richtung der Lichtglocke Speyers beobachtete, war
vom Kometen nur die diffus leuchtende Koma des Kopfs zu sehen. Die Nacht blieb aber
sternenklar, und so bot sich wenige Stunden später erneut die Möglichkeit der Beobachtung
am Morgenhimmel. Gegen 5:30 Uhr stand Lovejoy für mich günstig am Osthimmel in 35°
Horizonthöhe. Nun war im Teleskop neben der Koma auch zart der Schweifansatz zu erkennen. Schnell packte ich meine Spiegelreflexkamera auf das Teleskop und machte mehrere
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Jetzt im Winter 2013 ist also seine Neuentdeckung am nördlichen Sternenhimmel zu beobachten, jedoch mit geringer Helligkeit, so dass für eine Sichtung mindestens ein Fernglas
notwendig ist.
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Belichtungen von ca. 40 Sekunden Belichtungszeit bei einer Brennweite von 200 mm.
Foto des Kometen C/2013 R1 (Lovejoy) am Morgen des 3. Dezember 2013 (6 x 40 Sekunden)
Der Komet C/2013 R1 (Lovejoy) erreichte am 22. Dezember 2013 den sonnennächsten
Punkt seiner Bahn, wobei er aber in „sicherer Entfernung“ von der Sonne blieb. Die dichteste
Annäherung an die Erde fand bereits im November 2013 statt, so dass der Komet sich seither von der Erde entfernt. In Teleskopen sollte der Komet aber noch bis in das neue Jahr
hinein im Sternbild Herkules am Morgenhimmel beobachtbar bleiben. Die Höhe über dem
Osthorizont wird um 6 Uhr etwa 25° betragen.
Einzugsermächtigung wir durch SEPA-Lastschrift abgelöst
Ausgabedatum 21.12.13
Bereits mit dem Einzug des Mitgliederbeitrags 2013 wurden Sie auf dem Kontoauszug über
die Umstellung auf die SEPA-Lastschrift informiert. Ab dem 1. Februar 2014 löst die SEPALastschrift die alte Einzugsermächtigung ab. Für Sie ändert sich bei der Abbuchung des
Vereinsbeitrags nichts. Die Lastschrift wird zum 1. Februar 2014 erfolgen.
Ihnen ist sicher bekannt, dass durch die besondere Förderungswürdigkeit unseres Vereins der Mitgliederbeitrag steuerlich abgesetzt werden kann. Mit diesem
Heft erhalten Sie die Bescheinigung für die Zahlung Ihres Mitgliedsbeitrags
2013.
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Termine und Veranstaltungen - unser Angebot auf einen Blick
03. Januar
17. Januar
07. Februar
07. März
14. März
Astro-Zirkel. Unser Stammtisch mit astronomischen Themen. Beginn ist
um 20 Uhr im Astronomiezentrum bei der Eremitage. Bei gutem Wetter ist
ab 21 Uhr eine öffentliche Sternführung.
Astro-Treff. Dieser öffentliche Vierteljahrestreff beginnt mit einer Vorstellung des aktuellen Sternenhimmels. Danach folgt der Hauptvortrag. Wolfgang Stegmüller gibt einen Rückblick auf den Kometen ISON und zeigt
Bilder seiner Beobachtungen des Kometen Lovejoy.
Beginn ist um 20 Uhr im Astronomiezentrum an der Eremitage.
Astro-Zirkel. Unser Stammtisch mit astronomischen Themen. Beginn ist
um 20 Uhr im Astronomiezentrum bei der Eremitage. Bei gutem Wetter ist
ab 21 Uhr eine öffentliche Sternführung.
Astro-Zirkel. Unser Stammtisch mit astronomischen Themen. Beginn ist
um 20 Uhr im Astronomiezentrum bei der Eremitage. Bei gutem Wetter ist
ab 21 Uhr eine öffentliche Sternführung.
Mitgliederversammlung. Beginn ist um 20 Uhr im Gasthaus Zum Reichsadler
in Wiesental. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich umfassen darüber zu informieren, was sich aktuell im Verein tut. Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Besuchen Sie auch unsere Internetseite www.afw2000.de und klicken Sie den Terminkalender an. Dort finden Sie immer aktuell alle Termine des Vereins.
Gruppenstunden der Vereinsjugend im 1. Quartal 2014:
31.01.2014
28.02.2014
28.03.2014
Gruppenstunde im Kavaliershaus an der Eremitage (Beginn: 19 Uhr).
Gruppenstunde im Kavaliershaus an der Eremitage (Beginn: 19 Uhr).
Gruppenstunde im Kavaliershaus an der Eremitage (Beginn: 19 Uhr).
Sternführung im 1. Quartal 2014
Für unsere Sternführungen im 1. Quartal 2014 sind folgende Termine festgesetzt:
Datum
3. Januar
7. Februar
7. März
Uhrzeit
21 Uhr
Beobachtbare Objekte
Die Wintersternbilder mit ihren Sternhaufen und Nebeln,
insbesondere der große Orionnebel. Jupiter. Im Februar und
März steht der Mond günstig zur Beobachtung.
Alle Sternführungen finden auf der Wiese am Astronomiezentrum bei der Eremitage in Waghäusel statt - natürlich nur, wenn das Wetter dazu geeignet ist, d. h. der Himmel muss klar
sein. Einzelne Wolken stören nicht. Bitte denken Sie an geeignete, warme Kleidung.
Mitgliederfortschreibung
Am 20.12.2013 hatte unser Verein 278 Mitglieder.
Kontaktadressen: 1. Vorsitzender: Rudolf Woll, Kettelerstr. 19, 68753 Waghäusel, Tel. und Fax: 07254/3666
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2. Vorsitzender: Wolfgang Stegmüller, Vogesenstr. 11, 68753 Waghäusel, Tel.: 07254/60595, e-mail: [email protected]
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Tabelle 3: Termine für Sternführungen im 1. Quartal 2014
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