Lernen durch Versuch und Irrtum

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1. Klassisches Konditionieren (bedingte Reflexe)
Bei einem Auszubildenden klingelt das Telefon: Der gefürchtete Abteilungsleiter schimpft
fernmündlich heftig mit ihm und das an mehreren Tagen in gleicher Weise hintereinander.
1. Reiz klingeln


erschrecken
geringere Konzentration
2. Reiz schimpfen
An den folgenden Tagen schrickt dieser Auszubildende jedes Mal zusammen, wenn das Telefon
klingelt.
Reiz klingeln (allein)

erschrecken

Folge
Der erste Reiz (klingeln) verbindet sich mit dem zweiten (schimpfen) so, dass dieser allein die
gleiche Reaktion auslöst. Der Auszubildende hat also hier etwas gelernt, das er gar nicht lernen
wollte. Für den Ausbilder ist das insofern wichtig, als sich sein Verhalten mit dem Lehrstoff
verbindet, den der Auszubildende dann lieber = leichter oder schwerer lernt.
Dieses Modell des "Reiz-Reaktions-Lernens" geht auf das weit bekannte PAWLOW-Experiment
zurück:
Bietet man einem Hund Futter an, so löst bereits der Anblick des Futters (unkonditionierter bzw.
unbedingter Reiz) beim Hund einen Speichelfluss (unkonditionierte bzw. unbedingte Reaktion)
aus. Wenn jetzt die Futtergabe mit einem ursprünglich neutralen Reiz, etwa einem Glockenton,
gekoppelt wird, so wird nach einiger Zeit der anfangs neutrale Reiz auch alleine den
Speichelfluss auslösen. Der Glockenton wird zum konditionierten (bedingten) Reiz, der
Speichelfluss nur auf den. Glockenton hin wird als konditionierte (bedingte) Reaktion bezeichnet.
Die konditionierte Reaktion wird ausgelöscht, wenn der bedingte Reiz mehrmals allein gegeben
wird (Extinktion).
Beispiel: "Tafelangst"
Ein Schüler, der bei der Arbeit an derTafel mehrfach Misserfolge erlebt hat, wird bereits bei der
nächsten Aufforderung zur Tafel zu gehen Angst entwickeln.
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2. Instrumentelles Konditionieren (Lernen durch Versuch und Irrtum)
Ein Auszubildender versucht, einen Kunden unter verschiedenen Telefonnummern zu erreichen.
Diejenige, unter der er Erfolg hat, wird er sich merken.

Problem (Reiz:
1. Lösungsversuch
Misserfolg
richtige Nr

2. Lösungsversuch
Misserfolg
finden)

3. Lösungsversuch
Erfolg = Wiederholung
Führt einer der Lösungsversuche zu einem erkennbaren Erfolg, so wird dieser bekräftigt und
wiederholt. Das so erzielte Erfolgserlebnis hat meistens eine höhere Behaltensquote des
Lösungsweges zur Folge, als wenn das Ergebnis vorgegeben worden wäre. Dieser Lösungsweg
dauert länger; er kann darum nur selten angewendet werden.
Diese Theorie wurde von THORNDIKE entwickelt. Nach seiner Sicht erfolgt Lernen durch
Versuch, Irrtum und zufälligen Erfolg (learning by trial and error and by accidental succes).
Lernen ist demnach ein Suchprozess, bei dem die zufällig richtige Reaktion durch den Erfolg
verstärkt wird.
Beispiel: Eine hungrige Katze wird in einen Problemkäfig gesperrt, d.h., der Käfig lässt sich nur
durch einen besonderen Mechanismus öffnen um an das außen liegende Futter zu gelangen.
Wenn die Katze zum ersten Mal in den Käfig gesperrt wird, wird sie versuchen sich durch planlos
erscheinende Aktivitäten zu befreien, bis sie schließlich durch Zufall den Öffnungsmechanismus
auslöst. Bei Wiederholungsversuchen wird die Katze in immer kürzeren Zeiten den Mechanismus
auslösen (können) um zum Futter zu gelangen.
Thorndike hat aus diesen Tierversuchen Lerngesetze abgeleitet:
 Effektgesetz: Verhaltensweisen (Reiz-Reaktions-Verbindungen) werden
verstärkt, wenn
sie erfolgreich sind.
 Frequenzgesetz: Erfolgreiche Reiz-Reaktions-Verbindungen werden durch Wiederholen und
Übung weiter verstärkt.
Demnach ist Lernen immer abhängig von Bekräftigung (Lob) und Übung!
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3. Operantes Konditionieren (aktives, spontanes Wirken)
Sie loben einen Auszubildenden, weil er ein schwieriges Verkaufsgespräch erfolgreich
abgeschlossen hat. Geschieht das mehrmals, so wird er wahrscheinlich diese erfolgreiche Art der
Gesprächsführung häufiger anwenden.
Das Lob oder die Belohnung = die Bekräftigung = Verstärkung eines erwünschten Verhaltens
führt meistens dazu, dass dieses Verhalten (Tun) häufiger gezeigt wird.
Erwünschtes Verhalten

Positive Verstärkung

Verhalten tritt häufiger auf
Unerwünschtes Verhalten

Negative Folgen

Verhalten Tritt seltener auf
oder verschwindet ganz
Hat unerwünschtes Verhalten negative Folgen, so tritt es meistens seltener auf, oder es
verschwindet ganz (löschen), weil die Verhaltensweisen davon abhängen, welche Erfahrungen
ein Mensch mit ihnen macht. Der Abbau eines unerwünschten Verhaltens tritt allerdings nur ein,
wenn der Bestrafte die negativen Konsequenzen einsieht.
Je wertvoller dem Auszubildenden die Belohnung ist, je schneller sie seinem Tun folgt und je
beliebter der Belohnende (Ausbilder) ist, desto eher kann dieser mit einer Wiederholung des
erwünschten Verhaltens rechnen.
Für das operante Konditionieren ist wichtig, dass hier kein Reiz vorgegeben wird, sondern der
Auszubildende von sich aus Aktivitäten entwickelt. Daher ist diese Lernart für das
Selbständigwerden des Auszubildenden sehr wichtig.
SKINNER markiert einen deutlichen Unterschied zur klassischen Konditionierung und verfeinerte
die instrumentelle Konditionierung zur operanten Konditionnierung. Klassisches Konditionieren
(S-Typ) verstärkt nur eine schon verfügbare Reaktion: Auf einen Reiz (S = Stimulus) folgt eine
Reaktion. Operantes Konditionieren (R-Typ) entwickelt hingegen neue und vor allem gezielte
Reaktionen ("Operatoren"): Eine zufällige Reaktion wird verstärkt (R = Reinforcement), dadurch
erhöht sich die Auftrittswahrscheinlichkeit.
Beispiel: Verhaltensformung durch Partialverstärkung
Macht ein Versuchstier irgendeine geringfügige Bewegung zum gewünschten Endverhalten hin,
so wird dies sofort verstärkt. Damit sind bereits in kurzer Zeit große Dressurerfolge zu erreichen.
Bekannt geworden sind Skinners tanzende Tauben" durch Partialverstärkung.
Klassisches Konditionieren ist typisch für Lernen bei Tieren und kann beim Menschen negative
Wirkungen vermeiden helfen (vgl. das Beispiel Tafelangst vermeiden - hat man das
Wirkungsprinzip verstanden, lässt sich gegen die Angst angehen).
Operantes Konditionieren ist als Lernprinzip beim Menschen einsetzbar. Skinner hat dafür Regeln
zur Verhaltensänderung abgeleitet:
 Positive Verstärkung: Folgt auf eine Handlung ein angenehmer Zustand
(z.B. Lob beim
Lernen = positiver Verstärker), so nimmt die Wahrscheinlichkeit der Handlungshäufigkeit zu.
 Negative Verstärkung: Hört nach einer Handlung ein unangenehmer Zustand auf (z.B. Tadel
= negativer Verstärker), so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Handlungshäufigkeit.
Was ist alles Belohnung?
Wie wirkt Belohnung?

Zeit für den anderen haben

man wird selbstbewusster,

interessiert Zuhören,

selbstsicherer,

zulächeln,

zugänglicher,

zunicken,

risikofreudiger,
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
zustimmen,

mitteilsamer,

Blickkontakt halten,

einfallsreicher,

Begeisterung und Freude zeigen,

man ist freundlich,

Leistungen anerkennen und bestätigen

reagiert ruhiger auf Fragen und Kritik,

Mühe anerkennen,

redet flüssiger,

über Fehler hinwegsehen,

setzt sich durch,

Verständnis äußern,

gibt Schwierigkeiten zu,

Mitgefühl äußern,

kann Fehler leichter eingestehen.
 mit Worten und Taten unterstützen
Was ist alles "Bestrafung"?
Wie wirkt "Bestrafung"?

wegschauen, wenn jemand mit uns
spricht

man wird unsicherer, unruhiger nervöser, ängstlicher

nicht zuhören, sich abwenden, nicht
beachten

unfreier, Fehler zuzugeben,

den Kontakt mit jemand abbrechen,

man verliert den Spaß an der Aufgabe,

Leistungen nicht anerkennen,

man vermeidet Blickkontakt mit dem Strafenden

in Frage stellen, kritisieren,

man reagiert aggressiv oder geht sich aus dem Weg

Fragen stellen, die negativ beantwortet
werden müssen

man fühlt sich minderwertig,

Vorwürfe machen,

Leistungen lassen nach,

die Fehler betonen,

man versteht weniger.

Versprechen nicht einhalten.
Schlussfolgerungen
Abschließend seien einige Schlussfolgerungen aus der Theorie des Verstärkungslernens
aufgelistet:
 Der Mensch lernt oder ändert sein Verhalten, indem er die Folgen auf seine Handlungen
beobachtet.
 Folgen, die die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung des Verhaltens erhöhen, werden
Verstärker genannt.
 Je schneller die Verstärkung dem erwünschten Verhalten folgt, desto wahrscheinlicher wird
sich dieses Verhalten wiederholen.
 Je häufiger eine Verstärkung erfolgt, desto wahrscheinlicher wird der Mensch sein Verhaften
wiederholen.
 Ein Ausbleiben oder auch nur eine Verzögerung der Verstärkung auf eine Handlung schwächt
die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses Verhalten wiederholen wird.
 Unterbrochene Verstärkung erhöht die Zeitspanne, für die sich ein Auszubildender ohne
weitere Verstärkung mit einer Aufgabe beschäftigt und sie vermindert die Wahrscheinlichkeit
des Vergessens.
 Verstärkungen mit abnehmender Häufigkeit (unregelmäßige und immer seltener werdende
Verstärkungen) führen dazu, dass nicht nur für "Belohnung" gelernt wird.
 Durch unterschiedlich gestaltete, abwechslungsreiche Verstärkung kann das Verhalten eines
Lernenden allmählich entwickelt oder geformt werden, indem man jene Verhaltensweisen, die
wiederholt werden sollen, verstärkt, während man unerwünschte Verhaltensweisen ohne
Verstärkung lässt.
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4. Modelllernen
Eine ganz einfache Erklärung für das Lernen fehlte bisher: das Nachahmen. Viele Dinge, z. B. die
Sprache, werden durch Beobachtung und Nachahmung (= Imitation) gelernt. Man betrachtet
sozusagen den anderen Menschen als Vorbild, als Muster oder Modell. Ist das Modell erfolgreich,
d. h. führt sein Verhalten z. B. zu angenehmen Folgen, dann wird man sich auch so verhalten, in
der Hoffnung, entsprechend "belohnt" zu werden bzw. ähnlich erfolgreich zu sein. Man denke an
den ersten Theaterbesuch, die erste Reise, den ersten Tag in der Firma -verstohlen beobachtete
man in der Regel die anderen und richtete sein Verhalten an dem ihrigen aus. Entsprechend ist in
der betrieblichen Ausbildung der Ausbilder als Vorbild und Modell zu sehen, das in der Regel vom
Auszubildenden nachgeahmt wird. Diese Modellfunktion sollte dem Ausbilder bewusst sein insbesondere im Hinblick auf sein Problemlöse- und Konfliktlöseverhalten! Der Ausbilder sollte
sich selbst im Umgang mit den Jugendlichen beobachten und fragen: Dürfen die Auszubildenden
sich mir gegenüber so verhalten wie ich es ihnen gegenüber tue? Diese Art zu lernen wurde von
den Autoren Dollard/Miller sowie Bandura/Walters beschrieben und als Modellernen (auch
Imitations-, Beobachtungs-, Nachahmungs- oder Identifikationslernen genannt) bezeichnet.
Wenn ein Auszubildender zum ersten Male im Betrieb ist, bemerkt er die üblichen
Verhaltensweisen der Angestellten und ahmt sie nach, falls er nicht unangenehm auffallen will.
Die größte Wahrscheinlichkeit, nachgeahmt zu werden, besteht darin, wenn das Vorbild (Modell)
beliebt ist, Einfluss und Erfolg hat, und wenn es in häufigem Kontakt mit dem Auszubildenden
steht.
Für diesen steigt die Wahrscheinlichkeit der Übernahme mit der Zahl und Intensität der angenehmen Folgen seines Verhaltens. Der Ausbilder muss sich also fragen, ob sein Verhalten nachahmenswert ist, und ob dies für den anderen positive Folgen hat.
Die in der Industrie am meisten geübte Methode der Stoffvermittlung "vormachen,
nachmachen,...", gehört in diese Lernart. Es ist Imitationslernen mit allen Vor- und Nachteilen.
Modelllernen (vgl. Bandura, 1976) vollzieht sich durch Nachahmung beobachteter
Verhaltensweisen und ist durch zwei Komponenten gekennzeichnet:
Es bezieht sich auf Lernen, das im sozialen Kontext stattfindet, und es versteht Lernen wesentlich
als kognitiven Vorgang. Deshalb gehört Modelllernen zum Typ des sozial-kognitiven Lernens,
beispielsweise die Imitation von Kleidung, Frisur oder Verhalten eines Filmstars durch
Jugendliche. Modelllernen ist tendenziell eine der stärksten Lernarten mit mehreren Lernphasen:
Aufmerksamkeitsprozesse: Man konzentriert sich auf ein Modell und beobachtet es.
Gedächtnisprozesse: Die beobachteten Verhaltensweisen werden im Gedächtnis symbolisch
gespeichert.
Motorische Reproduktionsprozesse: Das beobachtete und symbolisch gespeicherte Verhalten
wird nachgeahmt.
Verstärkungsprozesse: Der Lerner erfährt "sozialen Erfolg", z.B. durch Anerkennung in der
peer-group (Freundschaftsgruppe), d.h.: Verstärkung ist förderliche, aber nicht notwendige
Bedingung des Lernens am Modell!
Im engen Kontext des Modelllernens stellt H.v. Hentigs Diktum (1993, 248ff), nach dem die
Person des Lehrers sein bestes Curriculum sei, weil Lernen hochgradig durch Vorbildwirkung
gesteuert werde.
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Letkowitz u.a. demonstrierten in einer originellen einfachen Untersuchung die Effekte der
Beobachtung von Modellverhalten anhand der Einhaltung von Verkehrsgesetzen: An 3
aufeinanderfolgenden Nachmittagen wurde in einer Stadt in Texas das Verhalten von über 2000
Fußgängern an einer Straßenkreuzung mit Ampel registriert. Die Signale "Warten" und "Gehen'
wurden von 99% der Fußgänger beachtet. Bei Einführen eines Verhaltensmodells - eines
31jährigen Mannes -mit Beachtung der Verkehrsregeln ergab sich kein Unterschied im Verhalten
der Fußgänger, da diese bereits überwiegend das angemessene Verhalten zeigten und das
Verhalten des Modells sich von dem der übrigen nicht abhob. Ging jedoch das Verhaltensmodell
(Prestigewert durch gute Kleidung) bei "Warten" über die Kreuzung, so ergab sich eine
signifikante Änderung im Verhalten der Verkehrsteilnehmer: Nur 86% statt zuvor 99% warteten
auf das Umschalten der Ampel, 13% hatten ihr Verhalten geändert. Repräsentierte das Modell
bei vernachlässigter Kleidung einen geringeren Status (und unterschied es sich vermutlich von
der Art der Kleidung der übrigen Verkehrsteilnehmer), so beachteten 96%der Fußgänger die
Signale, nur 4%änderten also ihr Verhalten. Die Untersuchung demonstriert, dass das aus der
Regel fallende Verhalten des Modells, z.B. unsoziales Verhalten oder Übertreten von Regeln,
wegen seiner Auffälligkeit hinsichtlich der Beachtung durch andere Personen größere Effekte
bewirken kann, während angemessenes Verhalten eines Modells häufig weniger für die
Beobachtung auffällig erscheint und somit weniger wirksam ist."
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