Nr. 22 - Der Brief an Myomitsu Shonin

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Die Gosho-Vorlesung von Präsident Ikeda
Das Studium aus der „Gosho“, dem Lehrtext des Sieges
Nr. 22
„Der Brief an Myomitsu Shonin“
„Allein aufstehen!“ – das ist das Herz der „Gründung“
Mein Meister, Toda Sensei (1900-1958), sagte mit tiefer Entschlossenheit:
„Ganz gleich, auch wenn kein anderer Mensch willens ist und selbst wenn ich letztlich
allein sein sollte, werde ich kämpfen.“
Ich bin sein Schüler. Deshalb bin ich, ganz gleich, was auch immer geschehen mag, allein
aufgestanden und habe für die Verwirklichung von Kosen-rufu gekämpft und den Weg dazu
angebahnt.
„Von mir aus werde ich anfangen!“
„Von nun an werde ich anfangen!“
Wenn wir in uns das Herz des Löwenkönigs, „allein aufzustehen“, besitzen, können wir
über jede Widrigkeit, so hart sie auch immer sein mag, mit absoluter Sicherheit siegen. Das
große heilige Unterfangen von Kosen-rufu begann mit dem großen Kampf Nichiren
Daishonins, der in sich das Wunschgelübde, einfache Menschen zu erretten, leistete und dafür
sein ganzes Leben mit tiefer Entschlossenheit, sich nicht zu scheuen, Leib und Leben zu
geben, einsetzte.
Die Strömung der gegenwärtigen weltweiten Kosen-rufu Bewegung hat damit angefangen,
dass Makiguchi Sensei (1871-1944), der Gründungspräsident der Soka Gakkai, und sein
Nachfolger, Toda Sensei, den Buddhismus Nichiren Daishonins rein und korrekt praktiziert
und die Soka Gakkai (am 18. Nov. 1930) gegründet haben.
Das „Herz, allein aufzustehen“, ist wahrhaft der „Gründungsgeist“ der Soka Gakkai
schlechthin.
Diesmal wollen wir auch in diesem Sinne den „Brief an Myomitsu Shonin“, in den der
werte Geist Nichiren Daishonins, der in der schlechten Welt im Späten Tag des Gesetzes zur
Errettung einfacher Menschen ganz allein aufstand, eingraviert ist, respektvoll studieren.
Der „Brief an Myomitsu Shonin“ ist ein Schriftwerk, das im März 1276 verfasst wurde.
Aus dem Inhalt dieses Schriftwerkes kann man entnehmen, dass Myomitsu Shonin1) jemand
war, der dem Daishonin verschiedene Gaben bei jeder Gelegenheit immer wieder darbrachte.
In diesem Schriftwerk ist als Erstes gezeichnet, dass der Daishonin mit dem Kampf zur
Errettung aller Lebewesen im Späten Tag des Gesetzes allen Menschen voran ganz allein
begann. Und darin sagt er mit aller Entschiedenheit, dass in Bälde die Zeit von Kosen-rufu
kommt, in der alle Menschen Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren. Ferner verspricht er
kraftvoll, dass auf Myomitsu Shonin und dessen Ehefrau, die den Daishonin beschützen und
dadurch die weite Verbreitung der Lehre des Daishonins unterstützen, die dadurch erfolgte
große verdienstvolle Tugend zukommen wird.
Nun ist das Erste der fünf Gebote, kein Lebewesen zu töten, und die Erste der sechs
Paramitas2) ist die Dana-Paramita (Geben). Der Anfang aller Gebote wie der zehn guten
1)
Myomitsu Shonin: Aus dem Grund, dass dieser Brief das einzige Schriftwerk ist, das bis heute überliefert
worden ist, gibt es über seine Person keine ausführlichen Daten. Es ist jedoch anzunehmen, dass er in
Kuwagayatsu, einem Stadtteil von Kamakura, gelebt haben soll.
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Gebote, der zweihundertfünfzig Gebote und der zehn schwerwiegenden Gebote ist das Gebot,
kein Lebewesen zu töten. Es gibt, vom großen Heiligen oben bis zu Moskitos wie Bremsen
unten, kein Lebewesen, das sein Leben nicht als wertvollsten Schatz schätzt. Wenn jemand
einen dieses beraubt, wird dies zum schwersten Vergehen. Nachdem der Tathagata in dieser
Welt erschien war, legte er die Tat, sich des Lebens zu erbarmen, zu Grunde. Als Beweis
dafür, sich des Lebens zu erbarmen, ist die buddhistische Ausübung, einen des Lebens nicht
zu berauben und ihm Nahrungsmittel darzubringen, das erste Gebot.
Die Tat, anderen Nahrung darzubringen, enthält die drei Arten von Nutzen: erstens, das
Leben länger zu erhalten, zweitens, [im Gesicht] mehr Farbe zu gewinnen und drittens, Kraft
zu verleihen. (EG, Band 1, Seite 667; JG, Seite 1237)
Die verdienstvolle Tugend, die dadurch erfolgt,
den Ausübenden des Lotos-Sutras zu unterstützen
Der Buddhismus, der lehrt, dass das Mystische Gesetz, das würdevollste Gesetz, im Leben
aller Menschen manifestierbar ist, kann man sagen, ist die Lehre, in der die grundlegende
Würde des Lebens dargelegt ist.
Dieses Schriftwerk fängt bereits eingangs mit der Klarstellung an, dass das Leben der
höchste Schatz ist. Es gibt kein einziges Lebewesen, sei es ein Moskito oder sei es eine
Bremse, das sein Leben nicht beachtet. Vor allem schätzt der Buddha selbst das „Leben“ aller
Lebewesen und erbarmt sich dessen. Daher erklärt er, dass in Bezug auf verschiedene Gebote,
angefangen mit den fünf Geboten3), immer zuerst das „Gebot, nicht zu töten“, gelehrt wird
und die Taten, „Nahrungsmittel darzubringen“, überaus hochgeschätzt wird.
Der Grund, warum dieses Schriftwerk mit dieser Thematik beginnt, kann ich mit Respekt
erachten, liegt gewiss darin, dass der Daishonin vorhatte, klarzustellen, dass die werten
Spenden, die Myomitsu Shonin dargebracht hatte, das Leben des Ausübenden des LotosSutras schützen und stützen, und zu würdigen, wie großartig die dadurch erfolgte
verdienstvolle Tugend zu erleben sein wird.
Danach legt der Daishonin dar, dass die Tat, „anderen Nahrung darzubringen“, in sich die
drei wirksamen Funktionen enthält, nämlich das Leben länger zu erhalten, [im Gesicht] mehr
Farbe zu gewinnen und Kraft zu verleihen. Das heißt, dadurch, anderen Nahrung
darzubringen, wird das Leben aufrechterhalten, wird man erquickt und lebhaft und mit der
Kraft, weiter zu leben, erfüllt sein. Außerdem lehrt er, dass derjenige, der anderen Nahrung
dargebracht hat, sowohl zu der Zeit, als er in der Welt der menschlichen Ruhe sowie in der
der himmlischen Freude geboren ist, auch als zu der Zeit, als er die Buddhaschaft verwirklicht
hat, wunderbare Wirkungen und Vergeltungen erleben kann.
Wenn wir zuerst Wirkungen und Vergeltungen, welche jemand zu der Zeit, als er in der
Welt der menschlichen Ruhe sowie in der der himmlischen Freude geboren ist, erleben kann,
in Betracht ziehen, wird derjenige, der anderen Nahrung dargebracht hat, dadurch, ihnen die
2)
Die sechs Paramitas: Es bezieht sich zum einen auf die grundlegende Art von Ausübung der Bodhisattwas, die
alle durch Begierde, Karma und Leiden gequälten Lebewesen von diesem Ufer ans andere (para) Ufer (mita) der
Erleuchtung führen, und weist zum anderen auf die Vervollkommnung ihrer Ausübung hin. Im MahayanaBuddhismus werden die sechs Paramaitas gelehrt: 1) Gaben (Dana); die selbstlose, unvoreingenommene
Gebefreudigkeit in Taten, Worten und Gedanken, 2) Beibehalten der Gebote (Sila); das anhaftungsfreie
Einhalten der fünf buddhistischen Gebote, 3) Ausdauer (Kshanti); das Dulden von widrigen Umständen, vor
allem die liebevolle Nachsicht gegenüber allen anderen Lebewesen in allen Belangen, 4) reines, unablässiges
Bemühen (Virya), 5) Meditation (Dhyana); damit ist aber nicht nur das Sitzen in der geistigen Versenkung
gemeint, sondern vielmehr auch das ununterbrochene Verweilen in der geistigen Haltung, die man durch die
meditative Ausübung erlangt, und 6) Weisheit (Prajna); das vollkommen harmonische Zusammenspiel dieser
Ausübungen, die zur tiefgründigen Weisheit des Buddhas führen.
3)
Die fünf Gebote: 1) kein Lebewesen töten, 2) nichts nehmen, was dir nicht gegeben, 3) nicht die Unwahrheit
sagen, 4) nicht berauschende Getränke trinken und 5) nicht unkeusch sein.
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verdienstvolle Tugend „das Leben länger halten“ zuteil werden zu lassen, Wirkungen und
Vergeltungen für ein langes Leben gewinnen. Als nächstes dadurch, ihnen die verdienstvolle
Tugend „die Kraft zu verleihen“ zuteil werden zu lassen, kann er mit Würde und
menschlicher Tugend ausgestattet werden und wird von vielen Menschen Vertrauen gewinnen.
Und dadurch, anderen zu ermöglichen, „[im Gesicht] mehr Farbe zu gewinnen“, wird er mit
den zweiunddreißig Merkmalen4) ausgestattet und vermag, sich mit einer edelmutigen
Erscheinung wie eine wunderschöne Blume zu versehen.
Als nächstes erklärt der Daishonin in Bezug auf Wirkungen und Vergeltungen, welche
jemand zu der Zeit, in der er die Buddhaschaft verwirklicht, erlangen kann, zusammengefasst
die Drei Körper des Buddhas5). Das heißt, die verdienstvolle Tugend, die dadurch erfolgt,
anderen zu ermöglichen, „das Leben zu erhalten“, offenbart sich als Tathagata mit dem
Dharma-Körper, breit und groß wie der grenzenlose Himmel. Die verdienstvolle Tugend, die
dadurch erfolgt, „die Kraft zu verleihen“, offenbart sich dann als Tathagata mit dem Körper
der Weisheit, die rein und lauter mit vollem Glanz erstrahlt. Die verdienstvolle Tugend, die
dadurch erfolgt, anderen zu ermöglichen, „[im Gesicht] mehr Farbe zu gewinnen“,
manifestiert sich als Tathagata mit dem Manifesten Körper, der von tiefem Mitgefühl
durchdrungen ist wie Buddha Shakyamuni.
Aus dem Grund, dass, hier kurz und bündig erklärt, gerade die Handlung, das Leben zu
schützen und sich dessen zu erbarmen, den Kern der buddhistischen Ausübung ausmacht,
wird die verdienstvolle Tugend, die dadurch erfolgt, „anderen Nahrung darzubringen“, für
diejenigen, auch wenn sie in der Welt der menschlichen Ruhe oder in der der himmlischen
Freude geboren sind, zur großen Glück bringenden Tugend, und ferner, wenn sie die
Buddhaschaft verwirklichen, können sie den vollkommenen Buddhakörper erlangen, der in
sich unmittelbar die Drei Körper offenbart.
In der Handlung „Spenden“ ist die verdienstvolle Tugend enthalten, anderen zu
ermöglichen, das Gute zu vollbringen. Die Letztendliche davon ist die verdienstvolle Tugend,
die anderen ermöglicht, die Verwirklichung der Buddhaschaft, des höchsten Guten, zu
vollbringen. Was dabei wichtig zu beachten ist, wem man die Spenden darbringt. Im
Hinayana (Theravada)-Buddhismus wird gelehrt, dass derjenige, der einem Heiligen die
Spenden darbringe, die Möglichkeit habe, in der Welt der menschlichen Ruhe sowie in der
der himmlischen Freude geboren zu werden. Im Gegensatz dazu wird im Lotos-Sutra gelehrt,
dass jemand, der gerade dem Lotos-Sutra, der Lehre für die Verwirklichung der Buddhaschaft,
Verehrung darbringt, die Drei Körper vollbringen kann. Demzufolge stellt es sich klar heraus,
wie großartig es ist, den Ausübenden des Lotos-Sutras zu beschützen und zu stützen, der das
grundlegende Gesetz für die Verwirklichung der Buddhaschaft verbreitet.
4)
Die zweiunddreißig Merkmale: Hierbei bezieht es sich auf die zweiunddreißig Merkmale, über die die
Raddrehenden Heiligen Könige (Cakravarti-raja) verfügen. Dadurch stellen sie sich als ideale Könige dar, die
über die ganze Welt regieren sollten. Es gibt vier Könige, deren Namen mit ihren kostbaren Gesetzesrädern
übereinstimmen; Gold, Silber, Kupfer und Eisen. Sie regieren über die vier großen Regionen Osten, Westen,
Süden und Norden, die durch den zentralen Berg des Universums, den Berg Sumeru, geteilt sind. Der König des
goldenen Rades regiert das ganze Universum, der des silbernen Rades die drei Regionen Osten, Westen und
Süden, der des kupfernen Rades die zwei Regionen Osten und Süden und der des eisernen Rades nur eine
Region Süden. Im Allgemeinen geht es um die zweiunddreißig überragenden körperlichen Eigenschaften, mit
denen der Buddha ausgestattet ist.
5)
Die Drei Körper des Buddhas: Sie weisen auf die drei Eigenschaften hin, über die der Buddha in seinem Leben
verfügt. Sie sind Dharma-Körper (dharma-kaya), Körper der Weisheit (nirmana-kaya) und manifester Körper
(sambhoga-kaya). Der „Dharma-Körper“ bezieht sich auf die Wahrheit, die der Buddha offenbart. Er ist die
Eigenschaft des Buddhas selbst, der das Gesetz des Universums sowie die Wahrheit verkörpert. Der „Körper der
Weisheit“ weist auf die Weisheit, die universelle Wahrheit zu manifestieren, sowie auf die manifeste Wirkung
des Buddhas, der sich mit dem Gesetz des universalen Lebens identifiziert. Der „manifeste Körper“ ist die
physische Form beziehungsweise die Funktion des Buddhas, der auf der Erde mit tiefem Mitgefühl erscheint, um
alle Lebewesen zum absoluten Glück zu führen.
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In diesem Schriftwerk wird aufgrund der folgenden Entwicklung der Kampf des
Daishonins berührt, der im Späten Tag des Gesetzes mit dem Geist „allein aufstehen“ als
erster begann, das [Mystische] Gesetz zu rezitieren, das allen Menschen ermöglicht, die
Buddhaschaft zu verwirklichen.
Wenn wir nach dem Anfang des Bergs Sumeru fragen, ist es ein Staubkorn. Der Anfang
des großen Ozeans ist ein Tautropfen. Wenn man eins und eins addiert, ergibt es zwei; wenn
man eins und zwei addiert, ergibt es drei, und es werden zehn, einhundert, eintausend,
zehntausend, hunderttausend und Asamkhya, die Mutter [all dieser Zahlen] ist nur „Eins“.
(EG, Band 1, Seite 667; JG, Seite 1237)
Der Bodhisattwa „Herausragende Ausübung“ (Skt. Visistacaritra), dem das Daimoku, das
Mark des wesentlichen Teils [des Lotos-Sutras], [vom Buddha Shakyamuni] anvertraut
wurde, ist noch nicht erschienen.
Dieser Mensch jedoch wird im Späten Tag des Gesetzes erscheinen und die fünf
Schriftzeichen von Myo-ho-Ren-ge-Kyo in allen Ländern und unter allen Menschen im
Jambudvipa (der ganzen Welt) verbreiten. Dies sollte beispielsweise der Tatsache gleichen,
dass der Name des Amitabha-Buddhas im Land Japan verbreitet worden ist.
Jedoch bin ich, Nichiren, weder Gründer irgendeiner Schule noch jemand, der davon
abstammt. Ich bin nicht jemand, der Gebote beibehält oder Gebote gebrochen hat, sondern ein
Mönch ohne Gebote. Ich bin jemand, der einer Kuh oder einem Schaf gleicht, welche [vom
Begriff] fern sind, ob sie weise sind oder ignorant. Wie habe ich aber angefangen, [das
Daimoku] zu chanten? Die fünf Schriftzeichen von Myo-ho-Ren-ge-Kyo, die der Bodhisattwa
„Herausragende Ausübung“, nachdem er erschienen ist, verbreiten sollte, habe ich seiner
Erscheinung vorausgehend wie im Schlaf unbeabsichtigt angefangen, Nam-Myoho-RengeKyo zu rezitieren, und so chante ich es jetzt. (EG, Band 1, Seite 669; JG, Seite 1239)
Die Lebensaufgabe des Bodhisattwas „Herausragende Ausübung“,
der im Späten Tag des Gesetzes das Daimoku verbreitet
Der Berg Sumeru6), so riesig groß er auch immer sein mag, wird jedoch durch einzelne
Staubkörner gebildet. Und der Ozean, so grenzenlos weit und groß er auch immer sein mag,
besteht aus einzelnen Wassertropfen. Alles beginnt mit einem einzigen Staubkorn oder mit
einem einzigen Wassertropfen. Das ist das Hauptthema dieses Schriftwerkes.
Ein Spruch der Welt lautet: „Eins ist die Mutter von zehntausend.“ (EG, Band 1, Seite 131;
JG, Seite 498)
Auch in diesem Schriftwerk steht: „Die Mutter [all dieser Zahlen inkl. Asamkhya] ist nur
‚Eins’.“ Die Kosen-rufu Bewegung (die Verbreitung des Mystischen Gesetzes) im Späten Tag
des Gesetzes begann ganz allein mit Nichiren Daishonin.
Um diesen Punkt klarzustellen, fasst der Daishonin in diesem Schriftwerk die
buddhistische Geschichte in Japan zusammen. Dabei wird der Brennpunkt auf die
Verbreitung des Lotos-Sutras gelegt. Es sind 700 Jahre vergangen, seitdem der Buddhismus
nach Japan gebracht wurde. Inzwischen wurde das Lotos-Sutra selbst für immer wichtiger
gehalten, so kann man sagen. Hierbei stellt der Daishonin fest, dass, obwohl der Name des
Amitabha-Buddhas7), der des Tathagatas Mahavairocana und der des Shakyamuni-Buddhas
6)
Der Berg Sumeru bzw. Meru: er bildet gemäß der hinduistischen sowie der buddhistischen Kosmologie das
Zentrum des Universums. Der unvorstellbar hohe Berg Sumeru, Wohnsitz von Göttern und Schutz-Gottheiten,
erhebt sich im Mittelpunkt des Universums.
7)
Amitabha-Buddha: (Ja. Amida; Ch. Amita; Sk. Amitayus „Grenzenloses Leben“ oder Amitabha „Unendliches
Licht“) Der Buddha des Reinen Landes der vollkommenen Glückseligkeit soll im westlichen Teil des
Universums existieren. Er ist nach der Nembutsu-Lehre der wichtigste Buddha, der im Paradies der weit
entfernten westlichen Welt lebe und jeden ins Paradies rette, der nur seinen Namen anruft.
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weit verbreitet wurde, Nam-Myoho-Renge-Kyo, das Daimoku des Lotos-Sutras, noch nicht
verbreitet worden ist, wobei er sagt: „Bislang gibt es keinen Menschen, der andere angeregt
hat, Nam-Myoho-Renge-Kyo, das Daimoku des Lotos-Sutras, zu rezitieren.“ (EG, Band 1,
Seite 668; JG, Seite 1238)
Das heißt, die meisten Menschen haben daran geglaubt, durch die Kraft des
ursprünglichen Wunsches des Amitabha-Buddhas im Reinen Land wiedergeboren zu werden,
auf die Rettung durch den Tathagata Mahavairocana sehnsüchtig gewartet und den Tathagata
Shakyamuni verehrt. Jedoch haben sie nicht auf die gleiche Weise an das Lotos-Sutra
geglaubt. Das Lotos-Sutra ist zwar als Sutra, das für den Schutz des Landes steht, oder als
Sutra, in dem die tiefgründige Lehre des Einen (höchsten) Buddha-Fahrzeugs gepredigt wurde,
von vielen Menschen hochgeschätzt und erforscht. Jedoch ist es im wahrsten Sinne noch nie
zuvor zur Stütze des Glaubens einfacher Menschen geworden.
Ferner erwähnt der Daishonin namhafte Buddhisten wie Mahakashyapa8) und Ananda9)
aus Indien und Tiantai10) und Miaole11) aus China, welche jeweils die tiefgründigen Lehren
des Lotos-Sutras offenbarten, und weist darauf hin, dass unter ihnen zwar solche da waren,
die nur für sich selbst das Daimoku des Lotos-Sutras chanteten, jedoch es keinen einzigen
Menschen gab, der es in der Bevölkerung weit verbreitete. Außerdem macht der Daishonin
klar, dass einfache Menschen auch in diesen zwei Perioden des Früheren Tages des Gesetzes
und des Mittleren Tages des Gesetzes die Namen der Buddhas und Bodhisattwas wie
Amitabhas, Mahavairocanas, Shakyamunis, der an der Oberfläche des Textes im Lotos-Sutra
dargelegt ist, Avalokiteshvaras12) und Bhaisajyagurus13) anriefen und sie zur Stütze ihres
Glaubens machten.
Mahakasyapa: Maha bedeutet „groß“, somit wurde er „großer Kasyapa“ genannt, zur Unterscheidung von
anderen Personen gleichen Namens, der im alten Indien häufig war. Er war einer der zehn Hauptschüler
Shakyamunis und der Erste in der Ausübung dhuta (Ja. Zuda), Körper und Geist hart zu trainieren, um die
Begierde nach Kleidung, Nahrung und Wohnstätte zu beseitigen. Er, der aus einer angesehenen Familie stammte,
begann, sogar noch vor Shakyamuni das Leben eines religiösen Asketen zu führen, um nach der Wahrheit zu
suchen. Als er Shakyamuni schließlich traf, soll er sich bereits bei der ersten Begegnung entschlossen haben,
Shakyamunis Schüler zu werden. Gleich nach dem Tod Shakyamunis war er einer der Initiatoren für das erste
Konzil, das in Rajagrha stattfand, um die Lehren Buddhas zu sammeln.
9)
Ananda: einer der zehn Hauptschüler Shakyamunis. Er war bekanntermaßen der eifrigste Hörer der meisten
Lehren Shakyamunis. Beim ersten Konzil, das bald nach dem Tod Shakyamunis stattfand, spielte er eine zentrale
Rolle, die Lehren seines Meisters zusammenzustellen.
10)
Der Großmeister Tiantai (538–597): Zhiyi, der in der Periode der Sui-Dynastie (581-618) in China lebte und
die Tiantai-Schule gründete, war zuerst Nanyue Huisis herausragender Schüler, der wegen seiner langen
Verbindung mit dem buddhistischen Zentrum auf dem Berg Tiantai in der Provinz Zhejiang oft als der
Großmeister Tiantai bezeichnet wird. Er widmete fast sein ganzes Leben dem Studium und der Erläuterung des
Lotos-Sutras und den ihm zugrunde liegenden Prinzipien. Er erklärte die Lehren des Lotos-Sutras in logischen
und philosophischen Begriffen und systematisierte sie zum besseren Verständnis der Gläubigen. Seine
Hauptwerke sind „Die große Konzentration und Einsicht“ (Ch. Mohe-zhiguan), „Worte und Sätze des LotosSutras“ (Ch. Fahua-wenju) und „Die tiefe Bedeutung des Lotos-Sutras“ (Ch. Fahua-xuanyi). Dadurch, dass er
die Lehren der drei führenden buddhistischen Schulen am Gelben Fluss im Süden des Landes und die der sieben
führenden buddhistischen Schulen am Jangtse Fluss im Norden des Landes widerlegte, stellte er die Lehren des
Lotos-Sutras hervor.
11)
Miaole: Tschan-jan (711-782) wird oft Tsching-hsi Tschan-jan genannt, weil Tsching-hsi sein Geburtsort war,
und er ist auch unter dem posthumen Titel „Großmeister Miaole“ bekannt, ein Name, der sich von der Tatsache
ableitet, dass Tschan-jan in einem Tempel in Lan-ling mit Namen Miaole lebte. Er war der sechste Patriarch des
Tiantai-Buddhismus in China, wenn man den Großmeister Tiantai (538–597) als den Gründer der Schule ansieht.
Durch die genaue, ausführliche Erläuterung der drei Hauptwerke Tiantais befestigte er das theoretische
Fundament der Mahayana-Lehren und leistete somit zu deren Verbreitung in China einen großen Beitrag. Der
Großmeister Miaole wird als Restaurator dieser Schule verehrt.
12)
Bodhisattva „Der die Klänge der Welt wahrnimmt“ (Sk. Avalokiteshvara) wird so genannt, weil er mit
großem Mitgefühl auf alle Klänge und Stimmen auf der Welt, auf die Stimmen der leidenden Menschen hört und
sie annimmt und auf sie antwortet. Er hört, versteht und handelt als Antwort auf die leidenschaftlichen Gefühle
jeder Person. Ist es nicht genau diese grenzenlose Güte, die Bodhisattva Betrachter der Klänge der Welt
ausmacht? Deshalb wird er so an so vielen Orten verehrt.
8)
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Woran lag dann, dass das Daimoku des Lotos-Sutras in den beiden Perioden des Frühen
Tages des Gesetzes und des Mittleren Tages des Gesetzes nicht verbreitet werden konnte? Der
Daishonin führt in diesem Schriftwerk dafür die zwei Gründe auf, nämlich die Zeit, die noch
nicht dazu gekommen war, und die Person, der die Aufgabe, das Lotos-Sutra zu verbreiten,
nicht übertragen wurde.
Während der beiden Perioden des Frühen Tages des Gesetzes und des Mittleren Tages des
Gesetzes, die sich nach dem Tod Shakyamunis auf 2000 Jahre erstrecken, waren vorläufige
Buddhas und Bodhisattwas wie Amitabha, Mahavairocana und Avalokiteshvara noch
imstande, mit ihren Lehren als Medizin Krankheiten der Lebewesen zu heilen, weil die
Krankheiten der Begierden, von denen die Menschen befallen waren, noch relativ leicht
heilbar waren. Das ist der erste Grund, der dafür steht, dass die „Zeit noch nicht gekommen
war“. Der Daishonin erklärt aber, dass für die Menschen im Späten Tag des Gesetzes, die das
wahre Gesetz verleumdet haben und dadurch schwerkrank geworden sind, keine anderen
Mittel außer den fünf Schriftzeichen von Myo-ho-Ren-ge-Kyo, der herausragenden Medizin,
als grundlegendes Heilmittel angewendet werden kann.
Die Lebewesen im Späten Tag des Gesetzes sind von ihren Begierden Habgier, Ärger und
Dummheit14) stark befallen. Auch wenn solche Lebewesen die Namen verschiedener Buddhas
und Bodhisattwas anrufen, wird nur ihr Verlangen danach, Buddhas um Hilfe zu bitten,
immer stärker, somit auch ihr Abhängigkeitsgefühl von ihnen. Solch eine Praxis führt die
Menschen sicher nicht zur grundlegenden Veränderung ihres eigenen Lebens. Ganz gleich,
wie eifrig sie die Namen verschiedener Buddhas anrufen, die außerhalb ihres Selbst existieren,
können sie ihr eigenes Leben nicht verändern, und ohne die Veränderung des eigenen Lebens
gibt es auch keine Verwirklichung der Buddhaschaft.
Im Gegensatz dazu ist Nam-Myoho-Renge-Kyo, das Daimoku des Lotos-Sutras, das
grundlegende Gesetz, das allen Buddhas, angefangen mit Shakyamuni, ermöglichte, die
Buddhaschaft zu verwirklichen. Anders als Nam-Myoho-Renge-Kyo, den ursprünglichen
Buddhasamen, beizubehalten, ist die grundlegende Errettung aller Lebewesen im Späten Tag
des Gesetzes nicht möglich. Demzufolge lehrt der Daishonin, dass es keinen anderen Weg zur
Verwirklichung der Buddhaschaft gibt, als das Daimoku des Lotos-Sutras zu chanten.
Als nächstes geht es um das Problem der „Übertragung“. Im Lotos-Sutra wird die
Aufgabe, im Späten Tag des Gesetzes das Lotos-Sutra zu verbreiten, vom Buddha
Shakyamuni dem Bodhisattwa „Herausragende Ausübung“ (Skt. Visistacaritra)15) anvertraut.
13)
Tathagata Bhaisajyaguru (Meister der Medizin): er ist ein Buddha der Heilung, der besonders im tibetischen
Buddhismus und im japanischen Buddhismus bekannt ist. Nach der Lehre des Mahayanas heilt er alle
Krankheiten, auch die der Unwissenheit. Seine Funktion ist es, Lebewesen von den Drei Giften zu heilen. Vor
seiner Erleuchtung legte der „Meister der Medizin“ zwölf Gelübde ab, in denen er schwor, später alle
Missgebildeten, Behinderten und Kranken von ihren Gebrechen zu befreien. Diese Gelübde sind
Hauptbestandteile der Lehrreden, die dem Tathagata „Meister der Medizin“ gewidmet sind. Diese erwähnten
geistigen Gifte verursachen in den Lebewesen gemäß der buddhistischen Lehre einen unfriedlichen Geist,
deshalb auch (körperliche und seelische) Krankheiten, mithin Leiden. Er wird oft zur Linken des ShakyamuniBuddhas dargestellt und wird mit dem Osten assoziiert.
14)
Habgier, Ärger und Dummheit: Sie weisen innerhalb der irdischen Begierden auf die grundlegenden
Begierden hin, die jedem Leben innewohnen, und werden daher die drei Gifte genannt.
15)
Der Bodhisattwa „Herausragende Ausübung“ (Skt. Visistacaritra): Der erste der vier Hauptführer der
unzähligen Bodhisattwas, die im fünfzehnten Kapitel des Lotos-Sutras „Hervorquellen (der Bodhisattwas) aus
der Erde“ erschienen. Shakyamuni vertraute ihm im einundzwanzigsten Kapitel „Die übernatürliche Kraft des
Tathagatas“ an, das Lotos-Sutra für die Menschen im Späten Tag des Gesetzes zu verbreiten. Unzählige
Bodhisattwas aus der Erde erschienen, als sie Shakyamuni sagen hörten: „Halt, Ihr guten Söhne! Ich habe es
nicht nötig, dass Ihr dieses Sutra beschützt und beibehaltet. Was ist der Grund dafür? In meiner Saha-Welt gibt
es ohnehin Bodhisattwas-Mahasattwas, die so zahlreich wie der Sand an sechzigtausend Ganges-Flüssen sind.
Jeder einzelne der Bodhisattwas hat wiederum so viele Angehörige wie der Sand an sechzigtausend GangesFlüssen. Diese Menschen vermögen, in der Zeit nach meinem Erlöschen dieses Sutra zu beschützen,
beizubehalten, zu lesen, zu rezitieren und weithin zu predigen.“ (DLS, Seite 225; JLS, Seite 453)
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Wenn man die Lebewesen mit der schlechten Aufnahmebereitschaft im Späten Tag des
Gesetzes erretten will, gibt es keine andere Wahl, außer den fünf Schriftzeichen von Myo-hoRen-ge-Kyo, dem ursprünglichen Buddhasamen, anzuwenden. Jeder einzelne der
Bodhisattwas, die aus der Erde erschienen sind, ist sowohl ein seit der anfanglosen
Vergangenheit eng verbündeter Schüler Shakyamunis als auch ein Bodhisattwa, der NamMyoho-Renge-Kyo, das Gesetz des Säens, bei sich tragend aus der Erde erschienen ist, wie
der Daishonin sie alle als „diejenigen, die in sich über das wahre Gesetz verfügen“ (DG, Band
1, Seite 374; JG, Seite 251) bezeichnet. Von ihrem Verhalten aus stellen sie sich als
Bodhisattwas dar, verfügen aber in sich über das grundlegende Gesetz, durch das alle
Buddhas die Buddhaschaft verwirklichen konnten. Deshalb sind sie dazu fähig, alle
Lebewesen in der schlechten Welt im Späten Tag des Gesetzes zum korrekten Weg zu führen.
Seit alten Zeiten gibt es viele Menschen, die das Lotos-Sutra gelesen haben. Aber jemand,
der die Rolle erkannte, die der Bodhisattwa „Herausragende Ausübung“ zu tragen hat, und in
der Tat aufstand, um das Daimoku des Lotos-Sutras zu verbreiten, ist einzig und allein
Nichiren Daishonin.
Anlässlich der Gelegenheit, seinen eignen Standpunkt zu offenbaren, sagt der Daishonin
in diesem Schriftwerk zuerst: „Jedoch bin ich, Nichiren, weder Gründer irgendeiner Schule
noch jemand, der davon abstammt.“ Das bedeutet, dass der Standpunkt des Daishonins nicht
auf der Linie der buddhistischen Lehren steht, die in den beiden Perioden des Frühen Tages
des Gesetzes und des Mittleren Tages des Gesetzes verbreitet wurden. Dieser Abschnitt ist ein
wichtiger Text, der seinen Standpunkt eindeutig ausdrückt, auf dem der Daishonin nicht in
Anlehnung an die Autorität der konventionellen Religionen und ohne eine Rückendeckung
der Macht als ein gewöhnlicher Mensch, der im Späten Tag des Gesetzes lebt, das LotosSutra aufrichtig und geradewegs gelesen und den Kampf, den der Bodhisattwa
„Herausragende Ausübung“ durchzuführen hat, aufgenommen hat.
Des Weiteren sagt er auch, dass er jemand ist, der weder Gebote beibehält noch Gebote
gebrochen hat, sondern jemand ohne Gebote, der kein einziges Mal eine Mönchsweihe
erhalten hat, und dass er außerhalb des Paradigmas, ob man weise oder ignorant ist, existiert.
Mit aller Konsequenz stand der Daishonin auf dem Standpunkt, völlig frei von
konventionellen religiösen Rahmenbedingungen und der Autorität, setzte sich als ein Mensch,
der in der schlechten Zeit im Späten Tag des Gesetzes lebt, mit dem Lotos-Sutra und
Shakyamuni frontal auseinander und kämpfte für die Errichtung des Buddhismus für einfache
Menschen im Späten Tag des Gesetzes, so wie es im Lotos-Sutra aufgezeigt wurde. Der
Grund, warum er seine eigene Natur als die eines gewöhnlichen Menschen unterstreicht, liegt
darin, dass er beweisen wollte, welch großartigen Glanz des Geistes jeder einzelne Mensch
hinterlassen kann, wenn dieser die Absicht des Buddhas tief beherzigt und sein Leben der
Handlung für die Errettung aller Menschen widmet, so kann ich mit Respekt ersehen. Denn
nur dadurch wird die Errichtung des Buddhismus für einfache Menschen möglich.
Im buddhistischen Gesetz stellt die Handlung Wurzel und Stamm dar.
„Weder wird man durch Geburt zu einem Ausgestoßenen, noch wird man durch Geburt zu
einem Brahmanen. Sowohl durch seine Taten wird man zu einem Ausgestoßenen, als auch
durch seine Taten wird man zum Brahmanen“ – diese sind die unvergänglichen Worte
Shakyamunis. Die Philosophie, die lehrt, dass das Leben aller Menschen nicht durch ihre
Geburt, sondern durch ihre Handlungen entschieden wird, ist eine klare Deklaration der
buddhistischen Gleichheit, die auch in dieser modernen Welt glänzend erstrahlt.
Der Daishonin selbst hat das große Unterfangen des Buddhas, das der Bodhisattwa
„Herausragende Ausübung“ eigentlich durchzuführen hatte, mit Ernsthaftigkeit zu Ende
gebracht. Aufgrund all seiner Handlungen, große Verfolgungen, die im Lotos-Sutra genau
gelehrt sind, auf sich genommen und dadurch die Korrektheit der Sutras des Buddhas
bewiesen zu haben, sieht er sich an als „auch den Heiligen Tiantai und Dengyo werde ich
gleichkommen“ (EG, Band 1, Seite 672; JG, Seite 1241). Hiermit erklärt der Daishonin, dass
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der Kampf an und für sich, den er mit vollem Einsatz seines Lebens durchführte, den
Kämpfen der wahren Heiligen ebenbürtig ist. Das heißt, er lehrt uns gewöhnliche Sterbliche
im Späten Tag des Gesetzes, dass, wenn die erwachten Menschen zu ihrer Lebensaufgabe
aufgestanden sind, sie ein grenzenlos großartiges heiliges Unterfangen für die Errettung
einfacher Menschen realisieren können.
Jetzt bin ich, Nichiren, nicht wie [jene Gründer anderer Schulen, die vorläufige Sutras als
Grundlage hochschätzen und darauf basierend das Lotos-Sutra lesen]. Ich schütze den Text
[des Lotos-Sutras] „bereits“ [habe ich (Shakyamuni) sie gepredigt], „jetzt“ [predige ich es]
und „gleich“ [werde ich es predigen] tief [im Herzen] und chante selbst das Daimoku, das
Mark des Lotos-Sutras, und rege andere an, das gleiche zu tun.
Das ist wohl damit vergleichbar, dass der Beifuß, obwohl er an sich nicht geradsinnig ist,
mitten in einem Hanffeld natürlich geradewegs wachsen kann und dass ein mit Tusche
gelotetes Holz, auch wenn es krumm sein sollte, doch geradewegs geschnitten werden kann.
Wenn jemand es [das Daimoku] genau [der Lehre] des Lotos-Sutras entsprechend chantet,
wird er keine krumme Absicht haben. Sie sollten ganz genau wissen, dass es [für uns]
unmöglich ist, es [das Daimoku] zu chanten, falls das werte Herz des Buddhas in unseren
Körper nicht eingedrungen wäre. (EG, Band 1, Seite 670; JG, Seite 1239f)
Die auf dem Lotos-Sutra basierende Praxis bis zum Ende durchführen
Wie konnte der Daishonin selbst die „Zeit“ erkennen, das „Gesetz“ begreifen und zum
„ersten Menschen“ werden, der das Daimoku des Lotos-Sutras jetzt im Späten Tag des
Gesetzes verbreitet. Der obige Abschnitt lehrt uns als Schlüssel dazu die Wichtigkeit, die
Lehre des Buddhas „genau [der Lehre] des Lotos-Sutras entsprechend“ geradewegs
auszuüben.
Die Handlung Nichiren Daishonins lehnt sich weder an die Theoretiker noch an die
Kritiker, basiert konsequent auf dem Lotos-Sutra und entspricht den Lehren des Buddhas. Im
Gegensatz zu ihm versuchten die Gründer verschiedener Schulen, die Sutras, auf die sie sich
jeweils stützten, als ihren Meister zu schätzen und darauf basierend das Lotos-Sutra zu lesen,
deshalb entfernten sie sich mit der Zeit vom wahren Sinn des Lotos-Sutras. Das heißt, auch
wenn man versucht, das Lotos-Sutra mit den Augen der vorläufigen Sutras zu sehen und zu
verstehen, kann man die Quintessenz des Lotos-Sutras, das auf den beiden Prinzipien „Das
gegenseitige Ausgestattetsein der zehn Welten“ (Jikkai-gogu) und „Das eine augenblickliche
Herz enthält 3000 Möglichkeiten“ (Ichinen-sanzen) basierend die Verwirklichung der
Buddhaschaft für alle Menschen lehrt, nicht verstehen. Demzufolge heißt es, dass man nicht
imstande ist, im wahrsten Sinne das Lotos-Sutra zu lesen.
Nichiren Daishonin, anders als solche Gründer anderer Schulen, sagt: „Ich schütze den
Text [des Lotos-Sutras] ‚bereits’ [habe ich (Shakyamuni) sie gepredigt], ‚jetzt’ [predige ich es]
und ‚gleich’16) [werde ich es predigen]“ tief [im Herzen].“ Hier wird eindeutig gezeigt, dass
der Daishonin selbst genau der Lehre des Buddhas entsprechend, der klar sagte, dass allein
das Lotos-Sutra die Quintessenz aller heiligen Lehren, die der Buddha zeitlebens predigte, ist,
das Daimoku des Lotos-Sutras gechantet, es andere gelehrt und verbreitet hat.
„Bereits, jetzt und gleich“ (I-kon-toh): „Bereits“ steht für die Vergangenheit, „jetzt“ für die Gegenwart und
„gleich“ für die Zukunft. Im zehnten Kapitel des Lotos-Sutras „Der Gesetzesmeister“ steht: „Die Sutras, die ich
gepredigt habe, sind unermessliche tausend, zehntausend und hunderttausend (Kotis), [alle davon] predigte ich
bereits, predige ich jetzt und werde ich gleich predigen. Jedoch unter ihnen ist dieses Lotos-Sutra am
schwierigsten zu glauben und am schwierigsten zu verstehen.“ (DLS. Seite 179f; JLS. Seite 362) Diese Stelle
weist darauf hin, dass das Lotos-Sutra im Gegensatz zu allen anderen Sutras, nämlich allen vorläufigen Sutras,
dem Sutra der unermesslichen Bedeutungen und dem Nirwana-Sutra, am schwierigsten zu verstehen und am
schwierigsten zu glauben ist und das höchst überragende Sutra ist.
16)
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Was hier vom Daishonin betont wird, ist die Wichtigkeit, an den Text des Lotos-Sutras
aufrichtig zu glauben und dementsprechend zu praktizieren. Hierbei erklärt er anhand einiger
Beispiele. Wie der Beifuß, der normalerweise krumm wächst, mitten im Hanffeld gerade hoch
wachsen kann, oder wie man ein krumm gewachsenes Holz doch geradewegs sägen kann,
wenn es vorher an seiner Oberfläche mit Tusche gelotet worden ist, ist es völlig
ausgeschlossen, dass das Herz, die wahre Absicht Shakyamunis zu verbiegen und zu
verdrehen, aus uns entsteht, falls wir genau „der Lehre des Lotos-Sutras“ entsprechend
Daimoku chanten. Diesen Punkt lehrt uns der Daishonin.
Der Daishonin sagt: „Sie sollten ganz genau wissen, dass es [für uns] unmöglich ist, es
[das Daimoku] zu chanten, falls das werte Herz des Buddhas in unseren Körper nicht
eingedrungen wäre.“ Das ist ein sehr wichtiger Text.
Im zweiten Kapitel des Lotos-Sutras steht: „… Gebe ich redlich die geeigneten Mittel
auf …“17) Demzufolge ist das Lotos-Sutra das Sutra, in dem der Buddha alle Menschen
eindeutig lehrt, auf die vorläufigen Lehren zu verzichten und ausschließlich auf dem Weg zur
Verwirklichung der Buddhaschaft geradewegs voranzuschreiten. Und im sechzehnten Kapitel
des Lotos-Sutras „Unermessliche Lebensdauer des Tathagatas“ heißt es: „Weil die
Lebewesen … / Aufrichtig sind, ihre Gesinnung sanft und geschmeidig, / Und sich aus dem
Wunsch, eines Herzens den Buddha zu sehen, / Von sich aus nicht scheuen, Leib und Leben
einzusetzen …“18) Das weist darauf hin, dass im Körper derjenigen, die auch im Späten Tag
des Gesetzes an das Lotos-Sutra aufrichtig glauben, das Herz des Buddhas erscheint, wenn sie
auf die Anhänglichkeiten wie egozentrische Ansichten oder irregeführte Weisheit verzichten,
die Lehre des Buddhas mit einer sanften und geschmeidigen Gesinnung ehrlich annehmen
und, ohne Mühen zu scheuen, nach dem Buddha eines Herzens suchen.
Der Daishonin hat das Lotos-Sutra, in dem der Buddha seine wahre Absicht offenherzig
lehrte, rechtschaffen auf sich genommen. Deshalb konnte er genau wie in der Zeit, als der
Bodhisattwa „Herausragende Ausübung“ an der Zeremonie in der Luft die Predigt
Shakyamunis direkt hörte und die Übertragung von ihm annahm, sowohl die tiefe Bedeutung
des „Gesetzes“ als der fünf Schriftzeichen von Myo-ho-Ren-ge-Kyo als auch die tiefe
Bedeutung des „Späten Tag des Gesetzes“ als der Zeit für die Verwirklichung von Kosen-rufu
tiefgründig erkennen.
Es wird auch in den Sutratexten feierlich gezeichnet, dass, wenn wir das Lotos-Sutra
genau dessen Lehren entsprechend in die Praxis umsetzen, unweigerlich große Verfolgungen
erscheinen. Dies geht beispielsweise aus den folgenden Kapiteln des Lotos-Sutras hervor. Im
zehnten Kapitel „Der Gesetzesmeister“ steht: „Überdies ruft dieses Sutra, selbst während der
Tathagata (Shakyamuni) gegenwärtig weilt, immer noch viel Hass und Eifersucht hervor, um
wie viel mehr in der Zeit nach seinem Erlöschen!“ (DLS. Seite 180; JLS. Seite 362f) Im
vierzehnten Kapitel „Friedvolle, freudige Ausübung“ steht: „… es in allen Welten zahlreiche
Neider gibt und, [das Lotos-Sutra], an das schwierig zu glauben ist …“19) (DLS, Seite 219;
JLS, Seite 443) Und im dreizehnten Kapitel des Lotos-Sutras „Aufforderung zum
Im zweiten Kapitel „Geeignetes Mittel“ steht: „Jetzt bin ich hocherfreut und furchtlos, / Inmitten aller
Bodhisattwas / Gebe ich redlich die geeigneten Mittel auf / Und predige nur den unübertroffenen Weg.“ (DLS.
Seite 67; JLS. Seite 144) Hier wird darauf hingewiesen, dass alle Sutras, die Shakyamuni bis zu diesem
Zeitpunkt gepredigt hat, die vorläufigen und vorübergehenden Lehren sind und dass man sie alle aufgeben soll.
18)
Im sechzehnten Kapitel „Unermessliche Lebensdauer des Tathagatas“ steht: „Weil die Lebewesen sich bereits
dem Glauben voll widmen, / Aufrichtig sind, ihre Gesinnung sanft und geschmeidig, / Und sich aus dem Wunsch,
eines Herzens den Buddha zu sehen, / Von sich aus nicht scheuen, Leib und Leben einzusetzen, / Da werden ich
sowie eine Schar von Mönchen / Zusammen auf dem Heiligen Adlergipfel (Grdhrakuta) erscheinen.“ (DLS,
Seite 241; JLS, Seite 490) Das heißt, dass ich, Shakyamuni, überall dort erscheinen werde, wo die Menschen mit
vollem Einsatz ihres Lebens das Lotos-Sutra ausüben.
19)
Im vierzehnten Kapitel „Der Gesetzesmeister“ steht: „Zu der Zeit … wird er (Tathagata) dieses Lotos-Sutra,
das den Lebewesen ermöglicht, zur Weisheit, alle Gesetze zu verstehen, zu gelangen, und dem gegenüber es in
allen Welten zahlreiche Neider gibt und an das schwierig zu glauben ist … nun jetzt predigen.“ (DLS, Seite 219;
JLS, Seite 443)
17)
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Beibehalten“ werden die „drei Arten von starken Feinden“20) erläutert. Der Daishonin wurde
verfolgt, genau so wie es im Lotos-Sutra prophezeit worden war. Das ist nichts anders, als
dass der Daishonin die Wahrheit der Sutratexte Shakyamunis bewiesen hat. Hierzu sagt der
Daishonin auch in diesem Schriftwerk: „Diese Sutratexte wären, falls ich, Nichiren, nicht im
Land Japan auf die Welt gekommen wäre, bloß als werte Worte des Buddhas da und ihr Sinn
sollte inhaltslos geblieben sein.“ (EG, Band 1, Seite 671; JG, Seite 1240)
Und es ist die Soka Gakkai, die, mit diesem Daishonin direkt verbunden, dessen heilige
Lehren bislang eindeutig bewiesen hat. In diesen 80 Jahren hat die Soka Gakkai mit dem
Glauben, der auf den Prinzipien „in direkter Verbindung mit dem Daishonin“ und „die Gosho
als Grundlage“ basiert, gegen alle Hindernisse geradewegs angekämpft und sie siegreich
überwunden. Deshalb hat die Soka Gakkai den Buddhismus Nichiren Daishonins korrekt in
den 192 Ländern und Gebieten der Welt verbreitet und somit eine große Entwicklung
schaffen können.
Es ist Makiguchi Sensei, der in Bezug auf die Einstellung, den Buddhismus des
Daishonins auszuüben, zu dessen Lebzeiten zurückkehrte und sein Leben dafür einsetzte, den
Buddhismus des Daishonins nicht in der durch den Tempel bzw. durch die Priesterschaft
angeführten Praxis des Glaubens, basierend auf dem während der Edo-Zeit (1603-1868)
gebildeten System der buddhistischen Gemeinde, verschlossen zu halten und stattdessen den
weltoffenen Buddhismus für einfache Menschen zu errichten. Und indem er den Buddhismus
Nichiren Daishonins als Lebensweise wieder belebte, die jedem Einzelnen der einfachen
Menschen ermöglicht, in seinem Leben Wert zu schaffen, und den tatsächlichen Beweisen im
Alltagsleben große Bedeutung beimaß, rief er den Glauben für die Verwirklichung von
Kosen-rufu ins Leben zurück. Außerdem behielt Makiguchi Sensei den Glauben an die Lehre
des Daishonins konsequent bei, der strikt untersagte, das Wahre Gesetz zu verleumden, und
lehnte die Forderung seitens der Priesterschaft, während der Kriegszeit den „ShintoTalisman“ anzunehmen, mit aller Entschiedenheit ab. Das war seine von Mut durchdrungene
würdevolle Entscheidung, den rechtmäßigen Glauben an die Lehre des Daishonins zu erben.
Auch mein Meister Toda beherzte die Gosho, stand aufgrund des Aufgabenbewusstseins
als Bodhisattwa aus der Erde zur Erfüllung seines Wunschgelübdes, Kosen-rufu zu
verwirklichen, nämlich den Buddhismus Nichiren Daishonins zu verbreiten, und führte den
Kampf für die Errettung einfacher Menschen bis zum Ende durch.
Und auch ich, Schüler Toda Senseis, bin die ganze Verantwortung für die Verwirklichung
von Kosen-rufu tragend mit Ihnen allen, meinen ehrungswürdigen Gleichgesinnten,
zusammen aufgestanden. So wie der Daishonin in seiner Gosho lehrt, haben wir gegen die
drei Hindernisse und vier Teufel und insbesondere gegen die Armee des Teufelskönigs des
sechsten Himmels siegreich gekämpft und die drei Arten von starken Feinden besiegt. Die
Soka Gakkai hat in allen Kämpfen gesiegt.
Es ist die Soka Gakkai, die in dieser modernen Zeit die Gosho des Daishonins in der Tat
gelesen und die Korrektheit seiner Lehren bewiesen hat. Die Soka Gakkai ist die einzige
Glaubengemeinschaft, die der Anordnung des Buddhas gemäß den Buddhismus Nichiren
20)
Die drei Arten von starken Feinden: Im Vers der zwanzig Zeilen des dreizehnten Kapitels des Lotos-Sutras
„Aufforderung zum Beibehalten“ wird erläutert, in welcher Art und Weise derjenige, der in der Zeit nach dem
Erlöschen des Buddhas das Lotos-Sutra verbreitet, verfolgt wird. Diese Beschreibungen ordnete der Großmeister
Miaole (711-782) aus China in seinem Werk „Kommentar zu ‚Worte und Sätze des Lotos-Sutras’“ (Ch. Fa-hua
Wen-chü-chi)“ systematisch in die drei Arten ein: 1) „Unwissende Laiengläubige mit der sich aufbauschenden
Arroganz“: sie sind männliche und weibliche Laien, die nichts über den Buddhismus wissen, den Ausübenden
des Lotos-Sutras mit bösen Worten schmähen und oft Gewalt gegen ihn anwenden. 2) „Verschlagene Priester
mit der sich aufbauschenden Arroganz“: Das sind Menschen, die dem weltlichen Leben entsagt haben und durch
„verdrehte Ansichten” und „Herz aus Argwohn gekrümmt” gekennzeichnet sind. 3) „Falschheilige mit der sich
aufbauschenden Arroganz“: Sie sind Menschen, die den Buddhismus dazu verwenden, um sich selbst Profit zu
verschaffen. Trotzdem werden sie von der Welt verehrt, als ob sie Heilige wären. Sie verachten die Menschen
und blicken auf sie herab.
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Daishonins geerbt hat. Die 80jährige Geschichte der Soka Gakkai, in der wir uns nicht davor
gescheut haben, Leib und Leben einzusetzen, zeugt feierlich von der Legitimität der Soka
Gakkai.
In diesem Land Japan habe ich, Nichiren, ganz allein Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitiert.
Das ist sowohl einem Staubkorn, aus dem der Berg Sumeru entstand, als auch einem Tropfen
gleich, mit dem der Ozean begann. Zwei Menschen, drei Menschen, zehn Menschen und
einhundert Menschen [haben angefangen, Daimoku zu chanten] und es ist in einer Provinz, in
zwei Provinzen und bis zu 66 Provinzen verbreitet worden. Es erreicht bereits die zwei Inseln
(Iki und Tsushima). Jetzt sind jene, die mich verleumdet haben, soweit, es (das Daimoku) zu
chanten.
Außerdem wird es möglicherweise geschehen, dass alle Menschen, vom Herrscher oben
bis zum einfachen Volk unten, genau so wie im [einundzwanzigsten] Kapitel des Lotos-Sutras
„Die übernatürliche Kraft des Tathagatas“ gelehrt wird, zusammen Nam-Myoho-Renge-Kyo
rezitieren.
Auch wenn wir daran denken, Bäume blieben still, hört der Wind doch nie auf, zu wehen.
Selbst wenn wir uns wünschen, den Frühling aufzuhalten, wird er doch zum Sommer.
(EG, Band 1, Seite 672; JG, Seite 1241)
Alles beginnt mit dem „ersten Staubkorn“ und mit dem „ersten Wassertropfen“
Nichiren Daishonin stand „ganz allein“ auf, damit begann die Kosen-rufu Bewegung im
Späten Tag des Gesetzes – dies bezeichnet er als „Das ist sowohl einem Staubkorn, aus dem
der Berg Sumeru entstand, als auch einem Tropfen gleich, mit dem der Ozean begann“. Durch
seinen unermüdlichen Kampf, den er seit der Gründung seiner Lehre stets mit vollem Einsatz
seines Lebens durchführte, sagt er hier, hat die Zahl der Menschen, die das Mystische Gesetz
chanten, zwei, drei, zehn, hundert usw. mit der Zeit immer weiter zugenommen, dadurch hat
sich das Mystische Gesetz von einer Provinz auf zwei Provinzen und schließlich bis zu allen
66 Provinzen Japans verbreitet, und die Wellen des Mystischen Gesetzes haben auch noch
zwei Inseln Iki und Tsushima erreicht.
Auch jene, die anfangs ihn und das Mystische Gesetz vehement verleumdet hatten, haben
ihr Verständnis verändert, seitdem des Daishonins Prophezeiung, die beiden Katastrophen,
nämlich die „Katastrophe durch die Insurrektion“ und die „Katastrophe durch die Invasion
ausländischer Mächte“, würden sich ereignen, eintrafen21).
Der Daishonin fährt fort: „Auch wenn wir daran denken, Bäume blieben still, hört der
Wind doch nie auf, zu wehen. Selbst wenn wir uns wünschen, den Frühling aufzuhalten, wird
er doch zum Sommer.“ Damit sagt Nichiren Daishonin als Ursprünglicher Buddha im Späten
Tag des Gesetzes klar und deutlich, dass Kosen-rufu – die Verbreitung des Mystischen
Gesetzes – ganz bestimmt verwirklicht wird.
Und diese Kosen-rufu Bewegung wird dadurch realisiert, dass das Mystische Gesetz von
einem Menschen zum nächsten sicher verbreitet wird. Das ist eine sehr wichtige Führung, die
der Daishonin in diesem Schriftwerk klarstellt.
Weil die Verbreitung des Mystischen Gesetzes eine Bewegung ist, von einem Menschen
zum nächsten Menschen immer weiter jeden einzelnen Menschen zu seiner ursprünglichen
Lebensaufgabe zu erwecken.
Die „Katastrophe durch die Insurrektion“ und die „Katastrophe durch die Invasion ausländischer
Mächte“ werden eintreffen: sie sind die Katastrophen, deren Eintreffen der Daishonin in seiner Abhandlung
„Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes“ voraussagte. Die „Katastrophe
durch die Insurrektion“ ereignete sich im Februar 1272, als Hojo Tokisuke (1248-1272) sich gegen das
Militärregime empörte. Die „Katastrophe durch die Invasion ausländischer Mächte“ kam zu Tage, als das große
Heer der Mongolen im Herbst 1274 Japan überfiel.
21)
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Die Soka Gakkai hat sich genau dieser Aussage des Daishonins entsprechend dafür
eingesetzt, mit jedem einzelnen Menschen offenherzig und geduldig zu sprechen. „Eins zu
Eins Dialog“ und „Gästeversammlung“ (Zadan-kai) bilden die Basis dieser Bewegung.
Es ist Makiguchi Sensei, der mit dieser Bewegung begann und sie zur Tradition der Soka
Gakkai machte. Eines Tages sprach zu einem jungen Mann, der ihm vorschlug, den
Buddhismus des Daishonins besser in Form einer großen Vortragsveranstaltung zu verbreiten
als in Form einer kleinen Gästeversammlung, mit aller Schärfe:
„Nein, das stimmt nicht. Über die Probleme, die das Leben angehen, können wir in Form
eines Dialogs mit anderen viel offener und intensiver sprechen. Die Erklärung in Form eines
Vortrags kommt bei den Zuhörern nicht persönlich an. Sie fühlen sich nicht direkt tangiert.
Viele wichtige Schriften Nichiren Daishonins, angefangen mit der Abhandlung ‚Über die
Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes’, sind in Dialogsform
geschrieben, nicht wahr?“
Zudem pflegte Toda Sensei oft zu sagen: „Kosen-rufu beginnt mit dem Dialog von Eins
zu Eins.“ Auch ich habe mich mit derselben Glaubensüberzeugung darum bemüht, stets mit
allen Menschen, die ich traf, im Einzelnen Dialoge zu führen.
Was bis zum Ende wichtig ist, sind zum einen eine von menschlicher Wärme erfüllte
Ermutigung von Eins zu Eins und zum anderen eine aufschlussreiche Anregung des Glaubens.
Solange diese Tradition weiter getragen wird, gibt es gar keinen Zweifel daran, dass sich die
Soka Gakkai in alle Ewigkeit entwickelt.
Von diesen Tatsachen, [dass der Daishonin inmitten der großen Verfolgungen das LotosSutra verbreitet], aus betrachtet, entspricht Ihre werte Absicht, bei jeder Gelegenheit, [wenn
Sie mir schreiben], mir fünf Ketten von Blaugänse-Münzen darzubringen, der [Absicht]
desjenigen, der in diesem Land Japan das Daimoku des Lotos-Sutras verbreitet.
Wenn viele Menschen, angefangen mit einem Menschen dann zwei Menschen und gar
eintausend, zehntausend und hunderttausend Menschen, Daimoku chanten, wird die dadurch
erfolgte verdienstvolle Tugend völlig unerwartet auf Ihren Körper zurückkommen. Diese
verdienstvolle Tugend ist so unermesslich, wie der Ozean aus einer Ansammlung von
Tautropfen besteht und der Berg Sumeru aus einer Anhäufung von Staubkörnern.
(EG, Band 1, Seite 672; JG, Seite 1241)
Wenn Gold in der Flamme erhitzt wird, wird seine Farbe umso mehr glänzen, und wenn
ein Schwert geschliffen wird, wird es umso schärfer. Wenn man die verdienstvolle Tugend
des Lotos-Sutras lobpreist, wird seine verdienstvolle Tugend umso mehr zunehmen.
Seien Sie sich dessen bewusst, dass die 28 Kapitel des Lotos-Sutras in sich wenige Stellen
enthalten, die die wichtigen Lehrsätze darstellen, und jedoch zahlreiche Worte, die es
lobpreisen. (EG, Band 1, Seite 673; JG, Seite 1241f)
Der Daishonin würdigt denjenigen, der das Mystische Gesetz beibehält
Das ist der abschließende Abschnitt dieses Schriftwerkes. Der Daishonin ermutigt
Myomitsu Shonin und seine Frau, die die Praxis des Daishonins für die Verwirklichung von
Kosen-rufu mehrmals unterstützt haben, indem sie ihm unter anderem fünf Ketten von
Blaugänse-Münzen dargebracht haben.
– Myomitsu Shonins Absicht selbst ist der Tat gleich, in Japan das Daimoku des LotosSutras zu verbreiten. Demzufolge, wenn die Menschen im ganzen Land künftig Daimoku
chanten, wird die dadurch erfolgte große verdienstvolle Tugend zweifelsohne auf Myomitsu
Shonin zukommen. Und von der großen verdienstvollen Tugend umgeben, so tief wie der
Ozean ist und so hoch wie der Berg Sumeru, wird er von allen himmlischen Gottheiten ganz
sicher beschützt.
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Und der Daishonin ermutigt die Ehefrau, die Myomitsu Shonin unterstützt hat. Wie
großartig es ist, den Glauben in dieser schlechten Welt im Späten Tag des Gesetzes
konsequent beizubehalten! Nichiren Daishonin ist es, der seine Schülerinnen und Schüler, die
sich dazu fest entschlossen haben, mit ihm zusammen bis zum Ende zu kämpfen, wirklich
wertgeschätzt hat. Es ist unschwer vorstellbar, dass Myomitsu Shonin und seine Frau durch
die herzliche Ermutigung des Daishonins mit einem neuen Entschluss aufgestanden sind.
Hier steht: „Wenn Gold in der Flamme erhitzt wird, wird seine Farbe umso mehr glänzen,
und wenn ein Schwert geschliffen wird, wird es umso schärfer.“ Je mehr Gold verhüttet wird,
desto mehr wird es an Glanz gewinnen. Und je mehr ein Schwert geschliffen wird, desto
schärfer wird es. Das gilt auch für die verdienstvolle Tugend des Lotos-Sutras. Je mehr man
es würdigt, desto mehr nimmt die verdienstvolle Tugend zu.
Im Lotos-Sutra selbst gibt es nur wenige Stellen, in denen die Quintessenz der Lehrsätze
erwähnt ist.
Die Gesamtheit des aus 28 Kapiteln bestehenden Lotos-Sutras, kann man sagen, ist ein
Sutra, in dem alle Lebewesen, angefangen mit Shakyamuni, Tathagata „Viele Schätze“ (Sk.
Prabhutaratna) und allen anderen Buddhas in den zehn Himmelsrichtungen, die verdienstvolle
Tugend der Lehrsätze für die Verwirklichung der Buddhaschaft aller Menschen einmütig
lobpreisen und die ganze Menschheit anregen, das Mystische Gesetz anzunehmen und
beizubehalten. Von der Tiefe der Texte des Lotos-Sutras aus betrachtet, belobt das LotosSutra insgesamt die verdienstvolle Tugend von Nam-Myoho-Renge-Kyo.
Aus dem Herzen, das Mystische Gesetz anzuerkennen, wird die verdienstvolle Tugend
überquellen. Und im Herzen, denjenigen zu lobpreisen, der das Mystische Gesetz beibehält
und verbreitet, vermehrt sich die verdienstvolle Tugend umso stärker.
Das höchst würdevolle Potenzial,
das sowohl dem eigenen Leben als auch dem anderer innewohnt
Derjenige, der das Mystische Gesetz beibehält, ist jemand, der davon überzeugt ist, dass
alle Menschen in sich über das höchst würdevolle Leben des Buddhas verfügt. Allein jemand,
der als Abgesandte des Buddhas und als Schüler des Buddhas das Daimoku des Lotos-Sutras
chantet und andere anregt, dasselbe zu tun, ist dazu fähig, die Philosophie der wahren
Lebenswürde zu verbreiten und diese Welt mit der Wirkung tiefen Mitgefühls zu erfüllen.
Die wahrhaft fähigen Menschen, nach denen die Welt jetzt im 21. Jahrhundert sucht, sind
genau diejenigen, die in sich diese Philosophie des Lotos-Sutras verkörpern. Sie sind nämlich
diejenigen, die durch ihre eigenen Erfahrungen und Handlungen allen Menschen beibringen
können, dass das würdevolle Potenzial dem Leben jedes einzelnen Menschen ebenbürtig
verborgen innewohnt. Gerade dadurch, dass wir zu diesem würdevollen Potenzial, das sowohl
in unserem eigenen Leben als auch im Leben anderer vorhanden ist, erwachen, können wir
das Grundübel des Diskriminierungsgedankens, der als fundamentale Dunkelheit der
Menschheit bezeichnet werden kann, mit der Wurzel ausrotten. Andererseits können wir auch
dadurch, dass wir uns vor der Würde des Lebens aller Menschen tiefgründig überzeugen, über
den Kampf dafür, jede Art von Krieg als karmische Krankheit der Menschheit grundlegend zu
überwinden, triumphieren.
Es waren etwa 700 Jahre vergangen, seitdem der von Indien ausgehende Buddhismus
nach Japan gebracht wurde. Dadurch, dass inmitten der Finsternis in der Zeit nach dem
Zugrundegehen des Buddhismus Shakyamunis der Daishonin erschien, wurde der
„Buddhismus der Sonne“, die die ganze Menschheit erleuchtet, errichtet. Und wie in diesem
Schriftwerk klar dargestellt, setzte er sich dafür ein, im ganzen Land Japan das Daimoku zu
verbreiten.
Seit der Zeit sind nochmals 700 Jahre verstrichen. Gerade zu der Zeit, als der reine Strom
des Buddhismus Nichiren Daishonins Gefahr lief, vollständig verloren zu gehen, wurde die
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Soka Gakkai, so seltsam es klingt, geboren. Ihr erster und zweiter Präsident, Makiguchi
Sensei und Toda Sensei, verschrieben ihr Leben der Handlung, die dazu führte, dass so viel
Menschen wie möglich den Gohonzon angenommen und beibehalten haben, und wollten
dadurch bewirken, dass sie sich dessen bewusst werden mögen, dass jeder einzelne Mensch in
sich über das höchst würdevolle Leben besitzt. Und die Mitglieder der Soka Gakkai in der
Pionierzeit, die in ihrem Alltagsleben die Wirkungskraft des Gohonzons in der Tat bewiesen,
mühten sich darum, den Gohonzon zu verbreiten, um ihre Freude unter allen Menschen zu
erweitern. Die regelrechte Verbreitung des Gohonzons hat durch die Soka Gakkai angebahnt.
In der Gegenwart, in der die Basis für die weltweite Kosen-rufu Bewegung und für die
„Rückkehr des Buddhismus nach Westen“ stabil verankert worden ist, wird die Stimme der
Menschen, die auf die auf dem Buddhismus basierende Humanismus erwarten, wahrhaft in
jedem Land der Welt immer lauter und stärker. Die Würdigung, die den Mitgliedern der Soka
Gakkai verliehen wird, die in sich die Philosophie der Lebenswürde im Lotos-Sutra
verkörpern, erhöht sich von Tag zu Tag. Nun, die Zeit ist gekommen, in der das regelrechte
große Voranschreiten der weltweiten Kosen-rufu Bewegung anbricht.
Was bis zum Ende von großer Bedeutung ist, ist die Existenz jedes einzelnen einem
Schatz gleichen Mitglieds der Soka Gakkai. Hierbei geht es um Sie alle, die Ihr Leben jeden
Tag durch die Gakkai-Aktivität polieren. Nichiren Daishonins ehrwürdiger Geist für die
Verwirklichung von Kosen-rufu und die 80jährige Geschichte und Tradition der Soka Gakkai
sind vollständig all Ihrem Herzen übertragen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass der
Daishonin Sie alle lobpreist. Auch ich bete mit meiner Frau tagtäglich innig dafür, dass jede
und jeder Einzelnen von Ihnen, so wichtig und wertvoll wie ein Juwel, gesund bleiben und
tätig sein kann.
Die Zahl „Acht“ hat die Bedeutung, zu öffnen. Jetzt ist die Zeit für einen neuen Start. Auf
der Hauptbühne der Kosen-rufu Bewegung im Jambudvipa (der ganzen Welt), die die ganze
Menschheit einschließt, beginnt unsere neue Herausforderung, die als ein neuer Staubkorn des
Berges Sumeru sowie als ein neues Wassertropfen des Ozeans gilt. Gerade das Herz, mit dem
Meister aufgrund der festen Entschlossenheit „Von mir aus werde ich anfangen!“ und „Von
nun an werde ich anfangen!“ allein aufzustehen, ist das Herz der „Gründung“.
(aus „Daibyakurenge“, November 2010)
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